Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Der Leibzoll deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im XX. Jahrhundert
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 649 (sequence 1)
- Language
- German
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Aer ^leiözoss deutscher Staatsbürger jüdischen Klaubens im XX. Jahrhundert. Von Or. E. Finkel-Pasewalk. Seit den Tagen von Norderney, wo der Reichskanzler Graf Bülow den russischen Staatsminister empfangen hat, um mit ihm die wichtigsten Punkte des deutsch-russischen Handelsvertrages zu besprechen, haben wir von diesem neuen Vertrage nichts gehört. Ob Graf Bülow bei seinen Verhandlungen mit dem Vertreter des Zarenreiches an die Plackereien gedacht hat, denen deutsche Geschäftsleute jüdischen Glaubens in Rußland ausgesetzt sind, ob er auf sie hingewiescn und energisch gefordert, daß sie mit dem Inkrafttreten des neuen Handelsvertrages aufhören sollen, ist vorläusig unbekannt. Winke und Anregungen nach dieser Richtung hat der Reichskanzler allerdings in Fülle gehabt und zwar nicht nur von seiten der geschädigten und chikanierten jüdischen Geschäftsleuten sondern auch von seiten edelgesinnter christlicher Patrioten, die kein Unrecht dulden und es nicht leiden mögen, daß deutsche K^uflcute in anderen Ländern „betrogen, gemißhandelt, ausgebeutet und zurückgesetzt werden", da dadurch das Nationalvermögen und das Ansehen des deutschen Volkes geschädigt werden. Wie den Lesern dieser Zeitschrift erinnerlich sein wird, brachte u. a. auch die von Eduard Riesen in Dresden herausgegebene Fachzeitschrift „Künstliche Blumen" im 22. Hefte einen diesen Gegenstand behandelnden Artikel, in dem dargetan wird, daß die Ehikanen, mit denen das freundnachbarliche Rußland deutsche Geschäftsleute und Handelsreisende jüdischen Glaubens zu behandeln für angemessen hält, das deutsche Reich Millionen kosten. (S. diese Zeitschrift X. Jahrg. No. 9 S. 492.) Diese Millionen könnte Deutschland, dessen Reichsschulden die dritte Milliarde weit überschritten haben, ganz gut gebrauchen; es würde dann vielleicht nicht gezwungen sein, mit der Bier-, Tabaks- und Luxus-Steuer fragliche Versuche zu machen. Aber abgesehen von dem finanziellen Schaden, dürste sich Deutschland den Schimpf, den ihm Rußland durch die erwähnte Chikanierung deutscher Staatsbürger antut, nicht gefallen lassen. ES gibt nämlich für einen Staat noch etwas Höheres als das Geld: das Ansehen, die Autorität, das Prestige.