Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Der deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband (D. H. V.)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 646 (sequence 8)
- Language
- German
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640 Im deutschen Reich. und antisemitischen Gewohnheiten eine unerläßliche Vorbedingung ist. Bescheidene und vorurteilslose Persönlichkeiten, welche lediglich die Förderung der Standesintercffen wünschen, werden in diesem Verbände eine führende Stellung nicht leicht erlangen oder gegen die in den Händen des Herrn Schack befindliche Oberleitung behaupten können. Em — wenigstens in den engeren Vereinskreisen — bekrästigter waschechter Antisemitismus, gefördert durch den Umgang mit Politikern der radikalen Rechten, wird die erste Vorbedingung einer Vertrauens« stellung im Verein sein, wenn man sich mit der Hamburger Leitung nicht in G gensatz sitzen will. Und aus düsen Vertrauensleuten sollen nun bei der Wahl zu den Kaufmannsgerichten die Erkorenen des D. H. V. herrorgehen. Richter sollen diese Vertrauensleute des D. H. SB. werden, welche nicht nur über Christen und Antisemiten, nein auch über Juden und noch dazu über jütische Prinzipale, vielleicht selbst über weibliche jüdische Prinzipale zu urteilen haben werden! Die nächsten Wochen werden überall in den größeren Städten die Wah er? zu den Kaufmannsgerichten bringen. Wir halten deshalb den Zeitpunkt für die Mahnung gekommen, überall wo der D. H. V. bei den Wahlen hervortritt, sich seine Kandidaten recht genau anzusehen, um zu erkennen, ob sie nicht in ihrer Berührung mit dem Verbände diejenigen Eigenschaften gründlich verloren haben, welche man von unparteiischen, einsichtigen und gerechten Richtern verlangen muh. Wo es zu Compromiß-Listen kommt, d. h. wo Verbände verschiedener Richtung eine gemeinschaftliche Liste aufstellen wollen, wird man dem D. H. V. nur solche Kandidaten bewilligen dürfen, welche nach ihrer bisherigen Tätigkeit die Gewähr dafür geben, daß sie den Zumutungen des Verbandes und feiner Leitung im Punkte der Gerechtigkeit unzugänglich sind. Am besten will es uns allerdings scheinen, daß man sich mit einem solchen Verbände überhaupt nicht in Kompromiß-Verhandlungen einläßt, sondern daß die alten, bewährten. großen, wenn auch nicht agilatonsch tätigen Verbände ihre eigenen Lssten aufstellen und mit Rührigkeit für ihre Kandidaten werben. Unsere Aufgabe ist es nur, Prinzipalen und Angestellten die Augen zu öffnen, ehe es zu spät ist, und sie dringend aufzufordern, in ihrem eigenen Interesse auf der Hut zu fein vor den gemeingefährlichen Bestrebungen des D. H. V. und seiner friedenstörenden Tätigkeit, welche nirgends weniger am Platze ist, als bei der Besetzung eines wichtigen, einflußreichen und angesehenen Posten-, der der Beisitzerstelle zu dem unparteiischen und gerechten KanfmannSgericht.