Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 628 (sequence 2)
- Language
- German
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628 3 m deutschen Neich. vollständig vorführen zu können und glauben, daß es sich auch in Zukunft bei den Abwehrbestrebungen nutzbringend verweilen lassen wird. Dieser Ueberzeugung gab der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt ftr. Friedländer, in herzlichen Worten Ausdruck, indem er dem Redner für seinen interessanten Vortrag den Dank der Gruppe Charlottenburg übermittelte. Als Vertreter des Central-Vereins-Vorstands ergriff sodann Herr San.-R. I)r. Wiesen, thal das Wort, indem er den Wert der in dem Vortrag enthaltenen Widerlegungen schnöder Angriffe betonte und aus den Akten des Central-Vereins an einzelnen Beispielen nachwies, wie selbst manche Behörden im Widerspruch mit Verfassung und Gesetz bei Bewerbungen um Arztstellen an solchen Anstalten, die aus öffentlichen Mitteln erhalten werden, sich nicht nach der Tüchtigkeit und dem sittlichen Verhalten der Bewerber, sondern nach ihrem religiösen Bekenntnis richten. Aus vielen Anzeigen in Fachzeitschriften sei zu ersehen, daß die konfessionelle Engherzigkeit auch in Privatlliniken, Sanatorien k. eine Stätte finde. Unter den Aerzten aber sei vielfach durch die zunehmende Konfessionalisienrng eine solche Spaltung eingetreten, daß nur am Krankenbette noch eine gewisse Kollegialität zwischen vielen jüdischen und christlichen Aerzten zur Erscheinung gelange. Bei der großen Zahl der akademisch gebildeten Juden, welche sich dem ärztlichen Berufe widmen, weil sie als Philologen sehr geringe Aussichten auf Anstellung haben, in der Jurisprudenz aber sich kaum anders wie als Rechtsanwälte bewähren können, ist der ärztliche Stand für die Juden im Durchschnitt so wenig einträglich, daß materielle Beweggründe bei der Berufswahl kaum noch maßgebend sein können. Es ist auch unvermeidlich, daß unter einer so großen Masse jüdischer Aerzte sich einzelne räudige Schafe finden, die bei der antisemitischen Verallgemeinerungssucht sofort den Judenfeinden die Gelegenheit verschaffen, die Gesamtheit der jüdischen Aerzte zu verunglimpfen, während in Wirklichkeit die Zahl der jüdischen Aerzte, welche sich vor dem Ehrengericht zu verantworten haben, im Verhältnis zu der Gesamtzahl t*ci jüdischen Aerzte so gering ist, daß diese im Vergleich zu ihren christlichen Kollegen in Bezug auf die Statistik der Kriminalität zuin mindesten nicht schlechter abschneiden. Der Redner verwies sodann darauf, daß auch in andern Berufszweigen den deutschen Juden der Kampf um's Dasein erschwert werde, daß aber bei fciefem Kampfe Männer von Ehre weder für sich noch für ihre Kinder Rettung durch feiges Ueberläufertum suchen dürften, sondern es als Mannespflicht erachten müßten, festzustehin in und mit dem Central. Vereine für ihre Rechte, für ihre Ehre und für die Zukunft ihrer