Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 621 (sequence 11)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 62 l befiehlt, den Israeliten alles Geld, daß er ihnen unrechtmäßigerweise abgenommen hatte, zurückzuerstatlen und die von ihnen unfreiwillig Unterzeichnete Verpflichtung zu annullieren. Dieser „Hokm" bewirkte, daß alle Israeliten, Schuldner wie Gläubiger, in Freiheit gesetzt wurden. ± Potsdam, 5. November. Im 79. Lebensjahre ist in Berlin Rabbiner vr. Tobias Cohn sanft entschlafen und heute Mittag von der hiesigen Synagoge am Wilhelmsplatze aus feierlich bestattet worden. Der Dahingeschiedene, der viele Jahre hindurch das hiesige Rabbinat verwaltete, und nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch in weitesten Kreisen unserer Stadt hohe Verehrung genoß, hat sich vielfach in erfolgreicher Weise schriftstellerisch betätigt. Die „Potsdamer Tageszeitung" schreibt: „Zeugnis von seiner Beliebtheit legte das herzliche Verhältnis ad, durch das sich der Verstorbene dem Prediger der Heiligcngcistkirche Persius verbunden fühlte, und die Ehrenmitgliedschast der „Litteraria", die ihm beim Scheiden aus dem Amte verliehen wurde. Auch der Staat versagte aus diesem Anlaß seine Anerkennung nicht und schmückte den Greis mit dem Roten Adlerorden 4. Klaffe". Ein eifriges Mitglied des Central-Vereins, dem vr. Tobias Cohn fast seit der Begründung des Vereins angehörte, hat er u. a. in dem Vereinsorgan „Im deutschen Reich" eine sehr wertvolle Artikel-Serie über „Lasker" geliefert, dem er persönlich nahestand. il- Breslau, 4. November. Die „Breslauer Zeitung" verweist darauf, daß Theodor Fontane, als er noch Redakteur der „Kreuzzeitung" war, sich abfällig über die Haltung dieses Rückschrittsblattcs äußerte. In einem im Novemberheft der „Neuen Rundschau" veröffentlichten Brief Fontanes vom 11. Mai 1870 heißt es wörtlich: „Du weißt, daß ich längst entschloffen war, in dieser Weise (die Redaktion niederzulegen) zu handeln, und daß ich die Brutalität, die darin liegt, unsere Freiheit und unsere geistigen Kräfte auszunützen, ohne vorsorglich und human an unsere alten Tage zu denken, — ich sage, daß ich diese Brutalität nicht mehr ertragen kann. So oft ich an diesen Punkt denke, empöre ich mich, und zwar nicht das Schlechte in mir, sondern das Gute. Es ist gemein, beständig große Redensarten zu machen, beständig Christentum und Bibelsprüche im Munde zu führen, und nie eine gebotene Rücksicht zu üben, die allerdings von Juden und Industriellen, von allen denen, die in unseren biederen Spalten bekämpft werden, oftmals und reichlich geübt wird." Dazu bemerkt die „Breslauer Zeitung": „Wie würde Fontane nun gar über die eigentlichen Organe