Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 620 (sequence 10)
- Language
- German
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630 Im deutschen Reich. in der Dichtung; 8. Februar Justizrat Bernhard Breslauer: Parallelen zwischen biblischem und modernem Recht; 22. Februar Dr. I. ®uif« mann-Breslau: Die Juden im Zeitalter der Reformation; 8. März Dr. Wilhelm Goldbaum-Wien: Thema vorbeballen; 22. März Assessor Dr. Adolf Fricdemann: Palästina, Land und Leute. (Mit Lichtbildern:. Das deutsche Bureau der Alliance Jsraelite Universelle veröffentlicht einen Brief aus Schiras in Persien vom 14. Sepibr. d. I., aus welchem hervorgeht, daß die Lage der Israeliten in der Umgebung von SchiraS sich von Tag zu Tag verschlimmert. Die israelitischen Bewohner von Djarum haben unter der Habgier der großen Herren am meisten zu dulden. Ein „Hokm" (Erlaß), der dem Gouverneur von Djarum zuging, machte ihn für alle Mißhandlungen, die an den Juden verübt werden sollten, verantwortlich. Seitdem nahm er sich vor ungerechten Maßnahmen gegen sie in Acht. Unglücklicherweise wurde er aber bald darauf versetzt. Der neue Gouverneur und seine Leute hatten nichts Besseres zu tun, als aus den Juden soviel Geld zu ziehen, als sie nur konnten. Kürzlich machten zwei Israeliten in Djarum Konkurs. Gesetz ist in Persien, wie überall, den zahlungsunfähigen Geschäftsleuten nur Waren und Geld zu nehmen und nach Verhältnis unter den Gläubigern zu verteilen. Der Gouverneur aber ließ die beiden Israeliten ohne Umstände cinkerkern. Da die Gläubiger den Gouverneur wissen ließen, daß sie ihre Guthaben annullierten, mußte der Gouverneur beide Kaufleute in Freiheit setzen, er beanspruchte aber einen Schadeneisatz von 100 Frs.; seine zahlreichen Diener beanspruchten auch ihren Anteil. Zwei Tage darauf schickte der Gouverneur von neuem nach den beiden Unglücklichen. Da sie nichts mehr hatten, um der Habgier des Gouverneurs Genüge zu tun, ergriffen sie die Flucht. Nunmehr ließ der Gouverneur durch 20 Häscher die Rabbiner und Notablen der Gemeinde verführen, geißeln und ins Gefängnis werfen; auch mußten sie unterzeichnen, daß sie alle Schulden ihrer beiden Glaubensgenossen und dazu eine Entschädigung von 120 Frs. zahlen würden. Wen man von den Juden außerhalb des Ghettos antraf, der wurde ausgeplündert und mit Stockhieben über den Markt gejagt. Die Gemeinde von Djarum wandte sich deshalb an den Direktor der Alliance-Schule, C. Schouker, der sich, da der Schah-El-Sultaneh wegen der Cholera, die in Schiras wütete, 6 Tagereisen von der Stadt entfernt aufhielt, dem Stellvertreter des Schahs Bericht erstattete. Dieser übergab Schouker sogleich ein „Hokm" oder offizielles Schreiben, in welchem er zu dem Gouverneur von Djarum sagt: „Bedenke, die Juden find Untertanen Sr. Majestät", und der Gouverneur von Schiras dem von Djaruin