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Im deutschen Reich · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. 586

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Date
1904-11-01
Page
586 (sequence 4)
Language
German
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Z>» deutschen Reich. 5SC Werden, ist äußerst verbreitet, sie ist eine allverbreitete Aeußerung des Grundgedankens, daß die Strafe eine gerechte Sühne und Wiedervergeltung sein müsse. Daher der Satz: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Der historisch Denkende, also der Gebildete, betrachtet die Dinge als Ergebnisse der Entwickelung; er hütet sich, mit Lob oder Tadel vom Standpunkte der Gegenwart an sie heranzutreten, er findet ihren Wert, indem er sie mit dem vergleicht, was vor ihnen war, und indem er prüft, welche Bedeutung sie für die Anbahnung des Vollkommeneren gehabt haben. Köhler urteilt: „Dieser Spruch scheint auf den ersten Augenblick manche Berechtigung zu haben; er steht aber mit unserer jetzigen Anschauung in Widerspruch und führt zu äußerlichen Ergebnissen."*) Es sei noch erwähnt, daß auch' die römische Zwölftafelgesetzgebung bei Körperverletzung (memdnnn rnptnm) die Talion für den Fall anwendete, daß zwischen dem Verletzten und dem Täter keine Vereinbarung über die Sühne zustande kam, und daß der erleuchtete deutsche Philosoph Kant sich zum Talionsprinzip bekannte. Daß das Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches den Mord mit dem Tode bestraft, also gleiches mit gleichem vergilt, weiß jeder; möge sich also jeder besten bewußt sein, daß in diesem beschränkten Umfange noch heute in Deutschland jenes biblische, altjüdische „Auge um Auge, Zahn um Zahn* zur Anwendung gelangt. A. K. *) Gerade die Durchforschung der Hamnrabi-Gesetzgebung liefert die deutlichsten Beweise dafür, daß das TalionSprinzip lange vor der mosaischen Gesetzgebung Geltung hatte, von Moses zwar nicht beseitigt, aber in humanem Sinne abgeändert worden ist. Warum das TalionSprinzip sowie dir Sklaverei nicht sofort von Moses ausgerottet wurden, ist leicht erklärlich; das Christentum hat dem Heidentum weit größere Konzessionen machen müffen — und tatsächlich gemacht. ^ie Redaktion.

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