Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Ein Beitrag zur jüdischen Rassenfrage
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 577 (sequence 1)
- Language
- German
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577 Hin Aeitr g zur jüdischen Wassenfrage. Sott der jüdischen Rasse zu reden, ist heutzutage ein gewagtes Unternehmen. Die Antisemiten halten sie kurzweg nach jeder Richtung hin für so minderwertig, daß sie die Juden nicht so sehr ihres abweichenden Glaubensbekenntnisses, als vielmehr ihrer unverbesserlichen Rasseneigentümlichkeiten wegen bekämpfen zu müssen vorgeben. Die Juden selbst befassen sich nicht gern mit der Frage ihrer Raffe, nicht weil sie im stillen eine gewisse physische Minderwertigkeit zugestehen und den Vergleich scheuen, sondern weil sie sich auf den HumanitärSstandpunkt stellen und als einzige Richtschnur für die Beurteilung des Menschen den individuellen Wert der Persönlichkeit in den Vordergrund stellen, viele auch, weil sie den allmählichen Assimilierungsprozeß in ständigem Fortschritt wähnen und eigentliche Raffenmerkmale des Juden, der sich den Lebensgewohnheiten seines Heimatlandes in jeder Beziehung angepaßt hat, nicht anerkennen wollen. Vereinzelte sehen gar die Lösung der Ju^enfrage nur in einem völligen Aufgehen des Judentums und einer Vermischung mit der arischen Maffe. Die Scheu vor der Erörterung der jüdischen Raffenfrage ist aus mancherlei Gründen unberechtigt. Es ist nun einmal eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß sich die jüdische Rasse als solche, trotz ihrer Zerstreuung über den ganzen Erdball, mit ihren charakteristischen Merkmalen mit geringfügigen Modifikationen erhalten hat, und es hieße Vogel Strauß-Politik treiben, über diese Tatsache einfach hinwegzugehen. Sind diese unterscheidenden Merkmale und abweichenden Eigenschaften, von denen manche im Laufe der Zeiten hinzugekommene zu Unrecht als Raffeneigentümlichkeiten bezeichnet werden, zu einem Teile minderwertig, so gereichen sie darum noch nicht den Juden zum Vorwurf oder gar zur Schande, auf deren Entwicklung die Zeitumstände wehr eingewirkt haben, als auf die irgend eines anderen Volkes. Die Selbsterkenntnis wird hingegen auch hier die Vorbedingung der Aufbesserung sein. Eine vorurteilsfreie Untersuchung der Frage wird aber auf der anderen Seite ergeben, daß die Jahrhunderte dauernde Verfolgung ber Juden auch zu Rasseneigenschaften geführt hat, die als Vorzüge zu gelten haben, Cie das Judentum zu verbergen nicht die geringste Veranlassung hat.