Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Köln a. Rh.
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316724-2333898--12955-2333999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
551 Im deutschen Reich. zu einer von uns aus der „Schlesischen Zeitung" entnommenen Angabe über eine Rede, die er in Vryheid gehalten hatte: „Es ist unrichtig, daß bei der Einweihung der Synagoge in Vryheid der Rabbiner von Johannesburg, Pr. Landau, bei Hervorhebung der Freiheit, welcher sich die Juden in englischen Ländern erfreuen, erwähnt habe, daß in Deutschland Lausende Juden, Frauen und Kinder, durch Deutsche hingemordet wurden, Synagogen niedergebrannt, ihre Häuser zerstört, ihr Hab und Gut genommen wurden. Wahr ist, daß ich die Freiheit hervorgehoben habe, welcher sich die Juden der Gegenwart in allen Kulturstaaten erfreuen; aber unwahr ist, daß ich die im 11. und 12. Jahrhundert in Deutschland tatsächlich stattgehabten Judenverfolgungen dabei in einer Weise erwähnt habe, durch welche die gegenwärtigen Zustände in Deutschland zum Zwecke einer „faustdicken Schmeichelei für die Engländer" herabgesetzt werden sollten." In dem Bericht der „Köln. Ztg." über den zweiten Tag des hier abgehaltenen. Internationalen Kongresses gegen die unsittliche Literatur" wird mitgeteilt: „Die Verhandlungen begannen.heute mit einem scharfen Einspruch des Kölner Rabbiners Dr. Frank gegen einen in der Eröffnungsrede mitgeteilten Brief des Pr. jur. Lautensack aus Montreux, worin von „inferioren jüdischen Elementen" die Rede ist. Pr. Frank sagte dabei: „Gestatten Sie mir, hier öffentlich und vor aller Welt zu erklären, daß nicht allein ich und meine Amtökollegen, sondern — ich rede hier im Namen des gesamten Judentums — daß wir alle Schulter an Schulter stehen mit denen, die es sich zur Ausgabe gemacht haben, gegen die Verbreitung unsittlicher Literatur zu kämpfen. Wenn ich unsere Sympathie für die große Sache, die hier beraten wird, mitgeteilt habe, dann werden Sie es auch erklärlich finden, daß ich meine Betrübnis ausspreche über eine Auslassung des Dr. jur. Lautensack aus Montreux, in der es heißt: „Soviel dürfte feststehen, daß die Dekadenz in Deutschland vielfach auf Einwirkungen von außen zurückzuführen ist — von Westen und von Osten; und zwar besonders von Osten und das unter Miteinwirkung inferiorer jüdischer Elemente." Was soll dieses Betonen jüdischer Elemente? Bedenken wir doch: gesündigt wird bei allen Nationen und in allen Staaten. Ich will nicht bestreiten, daß es verlumpte jüdische Joumalisten gibt, aber sie sind in verschwindender Zahl. Ich führe für uns als Zeugnis an, daß unser Stamm gegen Unsittlichkeit immer vorgegangen ist, ich führe als weiteres Zeugnis unser sittliches Familienleben an. Als im Jahre 1895 in einer großen Versammlung der Kölner Bürgerschaft das Wirken im Verein für entlassene Ge-