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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 521

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Elias Jakob, Walter Seligmann und der Glaubenswechsel
Date
1904-10-01
Page
521 (sequence 5)
Language
German
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Elias Jakob, Walter Seligmann und der Glaubenswechsel. 521 „Zukunft" veröffentlichte Brief des Herrn Walter Seligmann. Dieser Herr ist entweder mit Herrn vr. Fromer alias Elias Jakob identisch, oder kann wie dieser über unerfreuliche Erinnerungen aus der Zeit einer Odeäsr-Aolsmsä-Erziehung nicht hinwegkommen, da er in der Affimrlierung die einzige Möglichkeit erblickt, „den von vr. Jakob so treffend geschilderten schimpflichen Zuständen ein Ende zu bereiten." Wir deutschen Juden finden die Zustände, in denen wir uns befinden, garnicht für uns, sondern für unsere Gegner schimpflich, und auch für die, welche die Gegner begünstigen. Herr Seligmann versucht die lleberläufer zu diesen Gegnern damit zu entschuldigen, daß er die Fahnenflucht als „Notwehr" bezeichnet, d. h. als Mittel, sich den Folgen des angeblich üblen Rufes der Judenhcit zu entziehen. Vor einem Kriegsgericht würde kein Soldat wagen, das Fortlaufen von einer in schlimmer Lage befindlichen Truppe als einen Akt der „Notwehr" darzustellen. Der Ruf der Judenhcit hängt allein von der Führung ihrer Mitglieder ab; wäre er übel, dann mögen sie sich so führen, daß der Ruf der Gesamtheit sich bessert. Das Streben nach Selbstzucht und Selbstveredlung ist aber bei der Mehrheit der glaubenstrcuen Inden glücklicherweise stets zu finden gewesen, bei den zum Abfall reifen Mitgliedern gewiß weit seltener. Herr Seligmann behauptet ferner, daß der Uebertritt auch ideelle Vorteile bringe, namentlich für die nachfolgenden Generationen; leider begründet er diese Behauptung nicht. Heinrich Heine, Börne u. a. m., die zeitweise seiner Ansicht gewesen sein mögen, haben ihre spätere Enttäuschung nicht verhehlt. Wenn beide Schriftsteller Juden geblieben wären, würde ihr Andenken von vielen Christen vielleicht minder verunglimpft werden, als es jetzt geschieht. Die Juden, welche mit Abarbanell am Ende des!ä. Jahrhunderts Spanien verließen, um ihren Glauben nicht zu verleugnen, waren bester daran als die Waranen, welche ihrem Glauben entsagten, um ihre Güter zu behalten und in der Heimat bleiben zu dürfen. Die ideellen und materiellen Vorteile jener Neberläuser bestanden tatsächlich darin, daß der Staat und die Inquisition jedem ihrer Schritte nachspürten, um die Waranen dann der heimlichen Pflege jüdischer Sitten zu beschuldigen, sie dem Martertode zu weihen und sich ihrer Güter zu bemächtigen. Die ideellen Errungenschaften der Herren* Walter Seligmann L Co. erinnern zudem bedenklich an das Couplet im „Zigeunerbaron": „Ihr idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck!" Wenn Herr Seligmann den Staat freundlichst ersucht, den Jaden die Affimilierung durch die Taufe möglichst zu erleichtern, stößt er offene Türen ein; auf diesem Gebiete geschieht wirklich bereit»

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