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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 515

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Das Judentum und der Staat
Date
1904-10-01
Page
515 (sequence 5)
Language
German
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Das Judentum und der Staut. 515 daß gerade die kräftigeren, selbständigeren, strebsameren Charaktere unter den Inden in eine entschiedene Opposition gegen den gewalttätigen Druck gedrängt werden. Versucht cs doch einmal, Ihr Regierungen, die Ihr über den Sozialismus und den Nihilismus und die revolutionären Umtriebe der Juden klagt, versucht es doch einmal, ihnen dieselbe Gleichberechtigung zu gewähren, die sie in Ländern der westlichen und südlichen Kultur haben, dann werdet Ihr mit einem Male den Radikalismus unter den Juden verschwinden sehen". Der Redner verwies darauf, daß die Juden noch heute sich mit Ackerbau und Handwerk in solchen Staaten beschäftigen, in denen ihnen dies nicht untersagt wurde oder noch heute unmöglich gemacht wird, und führte am Schluffe seines Vortrages Folgendes aus: ,Wenn wir alle Pflichten des Bürgers erfüllen, so müssen wir auch aus der anderen Seite beanspruchen, daß alle Rechte des Bürgers uns zuteil werden. Wir wollen Vollbürger sein, wie unsere christlichen Brüder und Volksgenossen. Das ist auch eine Pflicht für uns, wenn wir als freie Männer uns fühlen wollen, eine moralische Verpflichtung, uns nicht zurückvrängen zu lassen. Glücklicherweise ist diese Gesinnung immer mehr unter unseren Glaubensgenossen verbreitet. Der alte Knechtssinn, die bleiche Ghettosurcht schwinden mehr und mehr. Wir lassen uns nicht mehr treten. Wir wollen nicht als Bürger zweiter Klaffe behandelt sein. Daß wir der Freiheit würdig sind, wird dadurch bewiesen, daß wir die Freiheit mit allen uns zu Gebote stehenden Rechtsmitteln fordern und vcrangen und immer lauter und immer ungestümer verlangen. «Beifall.) Daran, meine Damen und Herren arbeitet schon seit vielen Jahren der Central-Verein. (Beifall.) Er hat auf dem Gebiete vieles erreicht, vieles bewirkt und hat zweifellos in vielen Hinsichten bessere Zustände angebahnt. Daneben aber hat sich jetzt der Verband der Deutschen Juden gebildet. Glauben Sie nicht, daß der eine oder der andere dieser Verbände deshalb verschwinden muffe. Der Central-Verein wird weiter, soweit ich die Gesinnung seiner hochverdienten Führer und Leiter kenne, darüber wachen, daß keinem Juden ein Unrecht geschieht. Er wird ferner das berechtigte Sclbstbewußtsein des jüdischen Staatsbürgers stärken und kräftigen. Der Verband hat eine andere Grundlage und ein anderes Ziel. Er ist kein Privatverein, er beruht auf der offiziellen Vertretung der jüdischen Gemeinden und der großen jüdischen Verbände, denen sich dann die ausgezeichnetsten und tatkräftigsten unter unseren Glaubensgenossen als Notable beigesellen. Er bildet also eine offizielle Vertretung des deutschen Judentums. Als solche soll der Verband mit der gebührenden

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