Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-09-01
- Page
- 480 (sequence 15)
- Language
- German
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480 Hm deutschen Reich. Würde". Don diesem Standpunkte aus sollten aber auch andere Kulturstaaten Rußland gegenüber alle Fragen des Verkehrs mit dein Zarenreiche beurteilen. Daß über die Einzelheiten des deutsch-russischen Handelsvertrags fast nichts an die Oeffentlichkeit dringt rechtfertigt schlimme Befürchtungen. Wie der „Voss. Ztg." aus Amerika berichtet wird, . hat sowohl die republikanische als auch die demokratische Konvention in den Vereinigten Staaten anläßlich der Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten eine Resolution angenommen, dahingehend, daß die Regierung darauf sehe, daß die Pässe aller amerikanischen Bürger gleichviel welcher Religion oder Rasse anerkannt werden. Der Annahme dieser Paßresolution sind zahllose Volksversammlungen vorangegangen, in denen entsprechende Resolutionen gefaßt worden sind. „Roch niemals", so heißt es in einem Schreiben des Staatssekretanats au den amerikanischen Politiker Simon Wolf, „ist ein Fall der Inhaftnahme oder üblen Behandlung eines amerikanischen Juden in Rußland zur Kenntnis der Regierung gebraut worden, ohne daß diese in seinem Interesse interveniert hätte. Erst am 13. Juni 1904 ist unser Botschafter Ln Petersburg von neuem angewiesen worden, die Frage wieder zu eröffnen und der ruffischen Regierung die Resolution des Hauses vorzulegen als Beweis für die Unterstützung, die die Haltung der Regierung im Volke findet- Der Staatssekretär hat auch immer wieder von neuem die Aufmerksamkeit des russischen Botschafters in Washington auf den Gegenstand gelenkt, zuletzt noch am 1. Juli dieses Jahres." — In einer Jnftruklion, welche der Staatssekretär Hay an den amerikanischen Botschafter in Petersburg gesandt hat, heißt es: „Auch soll diese Note nicht andeuten, daß die amerikanische Regierung irgendwie von ihrem Standpunkte zurückweiche, den sie gegenüber denjenigen russischen Gesetzen und Verfügungen einnimmt, welche die gleichmäßige Behandlung aller die Gesetze befolgenden Bürger ohne Rücksicht auf ihren Geburtsort verweigern." In dieser Frage ist Amerika zweifellos voran. — Wie man weiß, ist die deutsche Regierung vielfach ersucht worden, durchzusehen, daß auch die Pässe deutscher Bürger jüdischen Glaubens an der russischen Grenze respektiert werden. Man hofft nun in Amerika, daß jetzt alle Kulturstaaten und insbesondere Deutschland und Oesterreich an Rußland die gleiche Forderung stellen werden, und daß Rußland die Erfüllung dieser Forderung nicht mehr ablehnen werde. Der vor einiger Zeit in New-Uork interviewte Fürst Uchtomski hat eine solche Konzession an die amerikanischen Juden nicht für unmöglich erklärt. Wie dann das Gleiche dem benachbarten und befreundeten Deutschland ver-