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Im deutschen Reich · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. 467

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-09-01
Page
467 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 467 hatte. Dadurch kam es zu den Greueltaten in Kischinew und Hornel, von deren Mitschuld der herzlose Staatsmann sich nicht reinigen konnte. Plehwe hatte kein Ohr für die Beschwerden der wie das Wild gehetzten Juden; ihren Deputationen gegenüber, die seinen Schutz anriesen, äußerte er sich in hochmütigster Weise. So kann man es verstehen, daß russische Polizeibeamte hohnlachend zufahen, wie in Kischinew die unglücklichen Opfer einer verhetzen und vertierten Volksmenge abgeschlachtet wurden. Plehwes Name wird deshalb noch in späten Zeiten auf diesem blutigen Blatt der russischen Geschichte verzeichnet stehen. Trotzdem hat sich keine jüdische Hand gegen ihn erhoben; die Annahme antisemitischer Blätter, daß Juden bei dieser Tat die Hand im Spiele gehabt haben, erwies sich als unzutreffend. Der Mörder Plehwes ist ein gewisser Sassonow, ein früherer Student der Moskauer Universität, Sohn eines Holzhändlers aus Ufa im Gouvernement Saratow. Die bisherige Untersuchung stellte angeblich die Mitschuld Sikorskis fest, welcher am Attentatstage ein geheimnisvolles Kästchen in die Newa versenkte. Dagegen scheint der dritte Verhaftete, Braunstein, obgleich politisch stark kompromittiert, in keiner Weise am Attentat beteiligt gewesen zu sein. Selbst die von anarchistischer Seite gemachte Aeußerung, daß „das terroristische Comiiä trotz wiederholter Angebote bisher niemals Juden zur Ausführung eines Attentats bestimmen wollte, um eben zu verhindern, daß die Juden im allgemeinen dafür verantwortlich gemacht würden* dürfte, soweit es sich um die angeblichen Angebote handelt, der Begründung entbehren. Daß einzelne russische Juden, welche durch das Regime Plehwes in das größte Elend gebracht waren, seine Beseitigung mit dem Gefühl einer gewissen Befriedigung begrüßten, ist gewiß nicht zu billigen, aber zu verstehen; darin liegt noch keine Bekundung der Sympathie mit den Urhebern des Mordes; die so aufatmeten, fühlten eben wie die Schweizer bei dem Tode Albrechls: „Wir aber brechen mit der reinen Hand des blut'gen Frevels segenvolle Frucht; denn einer großen Furcht sind wir entledigt." Das ist menschlicher empfunden, als wenn deutsche Organe der Reaktion ohne allen Grund das gesamte Judentum beschuldigen, gemeinsam mit der revolutionären Propaganda über ben Fall des russischen Ministers zu jubeln und die unsinnige Behauptung vertreten, in Rußland sei dieJudenfrage der Kern der ganzen revolutionären Strömung. Der Finländer Schaumann, der den General-Gouverneur Bobrikow ermordete, der Armenier, welcher das Attentat auf Andrejew verübte, hatten sicher an der Judenfrage nicht das geringste Jntereffe, und der blonde Vollblutrusse Sassonow, der als der Mörder Plehwes

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