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Im deutschen Reich · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. 457

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
Jüdische Unteroffiziere
Date
1904-09-01
Page
457 (sequence 5)
Language
German
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Jüdische Unüroffizicrc. 457 Anzahl jüdischer Soldaten gibt, welche nach vollendeter Dienstzeit, ohne eine Unteroffizier-Schule besucht zu haben, zu Unteroffizieren befördert wurden und von dem .Widerstreben des christlichen Mannes, einem Juden zu gehorchen", nicht zu leiden haben, auch davon nichts befürchten. Der Tüchtigkeit der jüdischen Soldaten läßt der Herr Oberstleutnant ja Gerechtigkeit widerfahren; er berichtet sogar von einem solchen Soldaten, welcher der Liebling aller Offiziere gewesen sei, behauptet aber, daß er trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen?) Schwierigkeiten mit den Mannschaften gehabt habe. Daß jene Offiziere die Macht gehabt hätten, ihrem „Liebling" Respekt zu verschaffen, statt seine Beförderung zu bedauern, liegt auf der Hand. Aber selbst, wenn es ihrem Raffegefühl widerstrebt haben sollte, pflichtgemäß die militärische Disziplin auch einmal zu Gunsten eines jüdischen Unteroffiziers zu wahren, brauchte Herr v. Wartenberg nicht aus einem vollständig vereinzelten Fall auf die Gesinnung der ganzen preußischen Armee Schlüffe zu ziehen, die dieser kaum zur Ehre gereichen. Die innerliche Auflehnung oder gar der Ungehorsam gegen Vorgesetzte auS religiösen Beweggründen sind glücklicherweise noch keine „Eigenart der deutschen christlichen Soldaten": wollte man damit beginnen, eine solche vorauszusehen und ihr Rechnung zu tragen, dann würde man bald dazu gelangen, in einzelnen Armeekorps, die vorzugsweise katholische Mannschaften umfassen, die protestantischen Offiziere verabschieden zu müssen. Daß die Franzosen und Italiener weniger tief religiös empfinden als die Deutschen und sich deshalb jüdische Heerführer gefallen lasten, ist neu; ihre Disziplin aber dürfte eher laxer als die deutsche sein und eine Insubordination gegen andersgläubige Vorgesetzte leichter ermöglichen. Das sind bekannte Dinge; Herr v. Wartenberg verteidigt also völlig vereinzelte, unberechtigte Vorurteile mit ganz unzutreffenden Beweggründen. Weil er dies offenbar selbst empfindet, kommt er zuletzt auch noch mit der „salus publica" und der „Staatsraison", und es nimmt Wunder, daß er nicht auch noch zu Schönstedtschen „Imponderabilien" und Rathenauschen „Impressionen" seine Zuflucht nimmt! Wer solange des Königs Rock getragen, sollte das „Rechtsgefühl" deutscher Soldaten höher cinschätzen, sollte wissen, daß strenge, unbeugsame Gerechtigkeit und völlige Rechtsgleichheit in der Armee das Wohl des Vaterlandes und seiner Verteidiger am besten schützen, daß es keine „Staatsräson* gibt, welche es rechtfertigt, Unrecht zu dulden oder zu beschönigen. Die Redaktion der „Zukunft" fühlt sich gedrungen, in einer Fußnote Wartenbergs Ausführungen mit der Erklärung zu entschuldigen, der Herr Oberstleutenant sei „weder stockkonservativ, noch

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