Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Jahrbuch des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 450 (sequence 3)
- Language
- German
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450 Im deutschen Reich. Jugendfrijche arbeitenden Forschers Moritz Steinschneider: .,Die arabische Litteratur der Juden." Aus dem Berichte über die belletristischen Erscheinungen des letzten Jahres sei erwähnt, daß die mit Recht so beliebten Novellen von Ulrich Frank jetzt in zwei stattlichen Bänden gesammelt erschienen sind. Sicher eignet sich dies sowie andere von Karpeles S. 33 genannte Werke bester zu Geschenken für unsere Jugend als zahlreiche, teils dem Judentum feindliche, teils für Heranwachsende Personen durchaus ungeeignete Schriften, die unsere Kinder vielfach an Geburts- und Einsegnungstagen erhalten. Die Litteraturvereine würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie die gesamte in Betracht kommende Litteratur von pädagogisch geschulter Seite sichten und für die verschiedenen Altersklassen Verzeichnisse zusammenstellen ließen, die dq»n durch Rabbiner und Religionslehrer den Eltern mitgeteilt werden könnten. Unter den im Jahrbuche selbst veröffentlichten Aussätzen dürften diesmal zwei Arbeiten über Memoirenwerke das meiste Jntereste erregen. In der einen führt uns Berliner in das ihm wohlbekannte Rom des 18. Jahrhunderts an der Hand von Aufzeichnungen des Jehuda Gonzago. Wir sehen, wie es damals einem tüchtigen und fleißigen jüdischen Jünglinge trotz aller Hinderniffe, die ihm teils der Judenhaß, teils Zunftgeist und Habsucht der christlichen Aerzte bereiteten, durch beharrlichen Fleiß sowie die Unterstützung von Glaubensgenoffen und human denkenden Christen gelang, Medizin zu studieren und das zur Ausübung der Praxis notwendige Doktorexamen Zu machen. Unserer Zeit näher liegen die von Brann veröffentlichten Auf- Zeichnungen des 30 Jahre lang als Syndikus der Breslauer jüdischen Gemeinde wirkenden, 1885 verstorbenen David Honigmann. Honigmann war einer der Männer, welche wie Gabriel Rießer durch Wort und Schrift, vor allem aber auch durch die Art ihrer Lebensführung bewiesen haben, daß man gleichzeitig ein guter Deutscher und ein treuer Jude sein kann. Seine Memoiren enthalten zahlreiche Erinnerungen an Personen, die in der Geschichte unserer Gemeinschaft, teilweise auch wie Laffalle, Stahl, Kuranda, Moritz Hartmann und Berthold Auerbach in der allgemeinen deutschen Geschichte und Litteratur eine hervorragende Rolle gespielt haben. Vor allem ntereffant sind Honigmanns Mitteilungen über den Agitator Lastalle, der bekanntlich von der sozialdemokratischen Partei noch heute als einer ihrer bedeutendsten Apostel verehrt wird. Der Verfaffer jener Memoiren gibt eine treffliche Charakterschilderung und Nachrichten über das Elternhaus Laffalles, welche besten eigenes vor einigen