Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Jahrbuch des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 449 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. m in Deutschland von Memel bis Metz." Ein großer Teil dieser Vereine ist vom Verbände selbst ins Leben gerufen werden. Die 180 Vereine haben über 15 000 Mitglieder und bilden somit die größte Organisation, die unter den deutschen Juden besteht! Sicher enthält die Tatsache, daß nicht die unter den heutigen Verhältnissen leider durchaus notwendigen politischen Abwehr- und wirtschaftlichen Unterstützungsvcreine, sondern ein lediglich die Pflege idealer Güter bezweckender Verband unter uns die meisten Mitglieder besitzt, eine glänzende Widerlegung des so oft erhobenen Vorwurfs, die Juden wären die Urheber und Hauptvertreter der heute in Deutschland vorherrschenden matenalistischen Richtung. Von den Bestrebungen jenes Verbandes kann an dieser Stelle nur der Einrichtung von Fortbildungskursen für junge Leute gedacht werden, welche Rabbiner Ih'. Samuel in Essen auf der erwähnten Konferenz lebhaft befürwortete. Durch fortlaufende Referate von Geistlichen oder Lehrern sollen junge Leute mit den wichtigsten Perioden der jüdischen Geschichte, mit den hervorragendsten litterarischen Werken, endlich mit der Religion und Ethik des Judentums systematisch bekannt gemacht werden. Sicher würde, wenn solche Kurse in den meisten Gemeinden eingerichtet werden und wenn überall, wie es in Essen geschah, „mindestens ein Drittel des gefammten jüdischen Personals" die Kurse besucht, in die traurige Unwissenheit, die bei den meisten unserer Glaubensgenossen über unsere eigene Vergangenheit herrscht, und die daraus entspringende Gleichgültigkeit gegen Vorgänge, die unsere Gemeinschaft berührend, endlich Bresche gelegt werden. Durch Verbreitung jüdischen Wissens wird auch die übergroße Bewunderung eingeschränkt werden, die manche uns feindliche Schriften wie die von Delitzsch und Harnack bei einem Teile unserer Glaubensgenossen zu finden pflegen. Die so viel Aufsehen erregende Schrift von Delitzsch, welche die mosaische Gesetzgebung aus der babylonischen herleiten wollte, ist jetzt durch eingehende Untersuchungen christlicher und jüdischer Gelehrter völlig widerlegt. In dem sorgfältigen Litteraturberichte, den wieder der kenntnisreiche Karpeles giht, empfiehlt er Zur Orientierung über die von Delitzsch ausgestellten Behauptungen, besonders die Schrift von Budde, „Was soll die Gemeinde aus dem Streit um Bibel und Babel lernen?" sowie denVortrag vonBezold, „Die babylonisch-affvrischen Keilinschriften und ihre Bedeutung für das alte Testament." Als das beste streng wissenschaftliche Werk, das in dem abgelaufenen Jahre auf dem von ihm besprochenen Gebiete erschienen ist, nennt Karpeles das Buch des in hohem Greisenalter noch mit