Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- D. R., Berlin
- Date
- 1904-07-01
- Page
- 445 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten t>nc Redaktion. 445 ächende Nemesis auffassen, daß der Manu bei diesen Machenschaften auch sein eigenes nicht unbeträchtliches Vermögen hat einbüßen müssen, denn bei aller Schlauheit, mit der er andere heranznlocken wußte, war er doch nicht schlau genug, sich selbst bei Zeiten zu salvieren. — Unv nun der Direktor Schumann, der in dem längst eingeschlafcnen Antisemitenblatt „Die Hannov. Post" den Mund nicht voll genug nehmen konnte beim Losdonnern gegen den Giftbaum „Börse" und die jüdischen Betrügereien beim Börsenspiel. wie stand er da, als ihm vor Gericht nachgewiesen wurde, daß er die Kunden der Bank zu den unglaublichsten Geschäften veranlaßt und, falls sie bedenklich waren, damit beschwichtigt hatte, daß sie ja, falls die Gereichte schief ginge, den Differenz-Einwand erheben könnten. Ein netter Bankier, der den Grundsatz von Treu und Glauben dahin auslegt, daß er seinen Kunden selbst die Anweisung zum Schwindel erteilt! — Nun noch ein Wort über ein Aufsichtsratsmitglied, welches zwar nicht auf der Anklagebank gesessen hat, aber als Zeuge eine nicht beneidenswerte Rolle spielte, den früheren Handwerkerkammer- Sekretär von Hannover und späteren Fürstlichen Rentmeister Dr. Lindström. Er ist bekanntlich am Abend des letzten Prozeßtages plötzlich verblichen, aber man darf wohl mit Recht sagen, zu seinem Glücke; denn er wäre am nächsten Tage von der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich verhaftet worden, vr. Lindström hatte unter Eid ausgesagt, daß er angenommen habe, daß die einzelnen Konten sicher^ seien; dagegen sagte der Eisenbahnsekretär Franz Wever, fein Freund, unter Eid aus, daß sein absoluv s Zahlungsunvermögen dem vr. Lindström bekannt gewesen sein müsse, da er nur sein wenige Tausend Mark betragendes Gehalt besessen, dagegen bei der Bank Schulden in Höhe von 52 826,20 Mk. kontrahiert habe, die dann selbstverständlich ausgefallen sind. vr. Lindströms Geschick darf man geradezu als tragisch bezeichnen. Er gehörte zweifellos zu den wenigen, welche den Antisemitismus nicht zu Geschäftszwecken betrieben haben. Der Philologe vr. Lindström, der vom Bank- und Aussichtsratwesen nicht die geringste Ahnung hatte, wurde in den Aufstchtsrat der Hannoverschen Landesbank gewählt, weil sein Name für viele kleine Besitzer zugkräftig' war. Als dann die Hannoversche Landesbank zugrunde ging, ist vr. Lindström nach Möglichkeit mit seinem Privatvermögen, natürlich in ganz unzureichendem Maße, in die Bresche gesprungen. Und als er durch den Gang der Prozeßverhandlung sah. in welchen Abgrund er hineingeraten war, ist er vor Kummer gestorben. So mag dem Toten wenigstens der gute Wille nicht bestritten werden, jenen anderen aber, die mit Wort und Schrift sich als die Retter des