Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 366 (sequence 1)
- Language
- German
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3V6 Im Vmischen Reich. Dercinsnachrichten. Mine eigentümliche Illustration zu der Behauptung »Preuße» in Deutschland voran!" bildet die Tatsache, daß selbst in dem als Eldorado der Antisemiten betrachteten Königreich Sachsen bei Ernennung von Rechtsanwälten zu Notaren und Justizräten ihrem Glaubensbekenntnis ein ersichtlicher Einfluß nicht beigcmesscn wird. Die antisemitische »Deutsche Wacht" beklagt dies natürlich und sagt: »Auffällig erscheint es, daß, nachdem man in berechtigtem Empfinden jüdischen Rechtsanwälten die Nichterlausbahn verschlossen hat, diese jetzt augenscheinlich anderweitig entschädigen will, indem man sie bei der Ernennung zn Notaren stark bevorzugt. Etwa 35 Prozent der in Dresden ansässigen jüdischen Rechtsanwälte sind Notare und Justizräte, während das Verhältnis sich bei den christlichen Anwälten, deren es etwa 225 in Dresden gibt, auf nur 9 Prozent stellt. Unter letztgenannten befindet sich ein Teil alter Herren, die schon seit Jahren von ihrem Notariat keinen Gebrauchs mehr machen, sodaß sich der Prozentsatz der praktizierenden christlichen Notare noch mehr verringert. Die zuletzt erfolgten Notar-Ernennungen haben sich nur auf Rechtsanwälte jüdischen Glaubens erstreckt."' — Wir haben an Ort und Stelle Erkundigungen eingezogen und erfahren, daß diese Ziffern nicht stimmen. Da vor etwa 17—18 Jahren nach einer mehrjährigen Pause mehrere jüdische Anwälte sich ungefähr gleichzeitig in Dresden niedergelassen und seither bewährt haben, sind in den letzten Monaten — nachdem fünf Jahre seit Ernennung des letzten jüdischen Notars verflossen — zwei von ihnen ungefähr gleichzeitig zu Notaren ernannt worden. Zur Verwertung von Statistik bietet sich hier keine Gelegenheit, da es an den erforderlichen großen Zahlen fehlt. »In Dresden wohnhafte jüdische Notare und Justizräte" gab eS vor obigen Ernennungen im Ganzen zwei. Die »Wacht" hätte also schreiben können, daß man auf einmal die Zahl der jüdischen Notare um nicht weniger als 10O°/o vermehrt habe. Zur Zeit giebt es in Dresden ohne die allerjüngsten ca. 230 Anwälte, unter denen 45, also 20 o/o, Notare