Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 357 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 357 zieher angewiesen, solche Blätter zu wählen, die einen großen Leserkreis haben, und zwar einen solchen, auf dessen Beteiligung an diesen Zwangsverkäufen an erster Stelle gerechnet werden kann. Außerdem ist allerdings den Gerichtsvollziehern nachgelassen — und ich glaube, auch das entspricht der Sach- und Rechtslage —, bei der Auswahl dieser Blätter die Wünsche der Nächstbeteiligten, also der Auftraggeber oder des Schuldners, zu berücksichtigen. Nun ist es auch in der Justizverwaltung ausgefallen, daß hier ein Blatt, dessen Leserkreis kein sehr ausgedehnter sein soll, von den Gerichtsvollziehern besonders viel mit solchen Verkaufsanzeigen bedacht worden ist. Die Gerichtsvollzieher, die darüber gehört worden sind, haben sich, auch nachdem die Verfügung des Amtsgerichtspräsidenten erlassen war, darauf berufen, daß sie dabei nur nach dem ausgesprochenen Verlangen ihrer Auftraggeber gehandelt hätten. Es ist außerordentlich schwer, dem im einzelnen nachzugehen, und namentlich ist es schwer, von der Zentralstelle aus diese Dinge zu verfolgen. Es muß den nächsten Aufsichtsbehörden überlassen werden, also in diesem Falle dem Amtsgerichlspräsidenten und den Abteilungsvorstehern, die die Gerichtsvollzieher zu kontrollieren haben, zu überwachen, daß im Sinne und im Geiste dieser Verfügung gehandelt wird. Die heutige Verhandlung wird, wie ich glaube, genügen, die Aufmerksamkeit der Herren neuerdings darauf zu richten; sie wird auch dahin wirken, daß die Gerichtsvollzieher nicht aus anderen, von den Aufsicht^ in stanzen nicht zu billigenden Gründen die Anzeigen Blättern zuwenden, denen es an dem geeigneten Leserkreise fehlt, und dadurch den ohnedies schon vielfach so unbefriedigenden Verlauf dieser Zwangsverkäufe herbeiführen." Unter der Ueberschrift »Antisemiten-Moral" äußert sich der »Vorwärts* wie folgt: »Zur Nordland fahrt der Ballin- Firma hat die »Wirtschaftliche Vereinigung" des Reichstags die Abgeordneten Krösell und v. Damm ausgelost. Man begreift nun, daß jüngst auch die »Staatsbürger-Zeitung" sich gegen die Annahme solcher Freisahrtkarten sittlich entrüstete: das Los hat die Staatsbürgersleute grausam von der Ballin-Bewirtung ausgeschaltet; wäre diesen das Los günstig gewesen, so hätte Krösell den Sittenhelden gespielt." Diese Notiz war dem »Hamburger Echo" entlehnt, welche am 25. Mai dabei noch bemerkt hatte, die antisemitische »Deutsche Hochwacht" habe ausdrücklich bemerkt: »Seitens der »Wirtschaftlichen Vereinigung" sind zur Beteiligung an der Reise die Abgg. Krösell und v. Damm ausgelost worden". Daraufhin hat der Abg. Liebermann von Sonnenberg als Vorsitzender