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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 349

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-06-01
Page
349 (sequence 16)
Language
German
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IRI
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Umschau. 349 folge, würde der TurnkreisXV aus derdeutschenTurnerschaft austreten. — An die Stadtverwaltung der österreichischen Hauptstadt hat das Gremium der Wiener Kaufmannschaft das Ersuchen gerichtet, dm Magistratssekretär Demel seines Amtes als Kommiffar im Gremium zu entheben. In der Spiritusausstellung hatte dieser städtische Beamte einem Herrn Löbl gegenüber sich laute Vemerkungen erlaubt wie: „Alle Juden sind Fälscher", „Man soll ihnen die Augen ausstechen", „Alle Juden sind Betrüger", darauf hin war er zu 24 Stunden Arrest verurteilt worden. Es stellte sich aber heraus, daß Herr Löbl, dem der Herr Magistratssekretär vertrauenvoll diese Ansichten mitgeteilt hatte, ihn im Laufe der weiteren Diskussion mit „Antisemitischer Lump" tituliert habe. Der Herr Magistratssekretär brachte eine Gegenklage ein, und Herr Löbl, welcher die inkriminierteAeußerung zugab, wurde zu lOOKr.Geldstrafe, eventuell zwölf Stunden Arrest verurteilt. — Wie weit entfernt der Kaiser von Oesterreich und seine Berater davon sind, sich von der anttiscmilischen Gesinnung der städtischen Behörden und Beamten Wiens beirren zu lasten, beweist die Tatsache, daß seit dem jüngsten Avancement die österreichisch-ungarische Armee drei jüdische Generale zählt, den bisherigen Kommandanten der Festung Przemysl. Porges, den zum General-Schistsbau-Jngenieur ernannten bisherigen Oberst Siegfried Popper, der im vorigen Jahre mit der Flotten-Deputation nach Berlin zum Kaiser Wilhelm entsandt wurde, und den bisherigen Kommandanten des Infanterie-Regiments 36 in Györ, Ritter von Schweitzer, der von der Pike auf gedient hat und sich der Anerkennung seines Kriegsherrn so erfreut, daß dieser die beiden Söhne Schweitzers, die wie ihr Vater ihrem Glauben treu geblieben sind, in das „Theresianum" als Zöglinge aufnehmen ließ. Trotzdem in Preußen nach den bestehenden Bestimmungen für Aufnahme in die Unteroffizierschulen ein jüdischer Knabe in diese nicht ausgenommen werden kann, beklagen sich die deutschen Antisemiten über „Begünstigung der Juden." Im deutschen Reichstage darf sogar ein Liebermann von Sonnenberg vom „Verderben der Front" schwatzen, während in anderen Armeen tüchtige jüdische Offiziere als Zierden des Heeres die höchste Anerkennung finden! Daß er seine Verleumdung des Moses Bier nicht zurücknimmt, trotzdem er die Richtigstellung kennt — ist echt antisemitisch! Auch der Präsident des französischen Freistaats Loubet und sein Kriegsminister, General Andres, fragen nicht nach dem Katechismus des Soldaten, sondern nach seiner Tüchtigkeit und lassen darüber die französischen Antisemiten schimpfen, so viel sie wollen.

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