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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 337

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-06-01
Page
337 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 337 träglich die^ fälschliche Darstellung unterstützt. Vielmehr ist er. nachher sofort zum General von Loe gekommen und hat persönlich den Irrtum aufgeklärt. Dem Bonner Verein war gleichzeitig berichtet werden, daß Generaloberst von Lee, nachdem ihm die Aeuherungen Liebermanns bekannt geworden, von Bordighera aus den Reichstagspiäsidenten hatte ersuchen lassen, eine Richtigstellung zu veranlassen, die sämtlichen Abgeordneten mitgeteilt werden sollte. Warum Graf Ballestrem die im Aufträge des Generalobersterd von Lee ihm gemachte Mitteilung nicht im Reichstage öffentlich vorgelesen hat, wird wohl noch zur Erörterung gelangen. Wenn die Richtigstellung auch nur in vertraulicher Weise den einzelnen Volksvertretern mitgeteilt worden sein, sollte, wäre dies doch nicht die Genugtuung, die man nicht nur einem einzelnen braven jüdischen Soldaten, sondern allen Soldaten jüdischen Glaubens schuldig war, welche der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg durch seine unbegründeten Behauptungen heradsetzen wollte. Diese böse Absicht wird dadurch hinreichend bewiesen, daß er selbst nacht er erfolgtenRichtigstellung mit keiner Silbe revoziert HU, wie denn auch die ihm nahestehende antisemitische Presse sich noch rühmt, festgefttllr zu haben, daß Moses Bier tatsächlich die Auszeichnung nicht erhalte habe, zu der ihn sein Regime, ts-Kommandeur vorgeschlagen halte. Daß erste nickt erhalten hat, mag vielleicht die antijemitrtche Partei als einen Triumph ihrer Agitation ansehen; ließe sich feststrllen, daß diese Ansicht eine berechtigte ist, so würden weitere Kre se, und zwar nicht nur jüdische, daraus nur die Ueberzeugung schöpfen, daß die zarte Rücksicht aus die künstlich erzeugten „Imponderabilien" mit der Zeit einen Zustand herbcizuführen droht, welchen jeder Unbefangene für das deutsche Reich als „ein sehr ernstes nationales Unglück" ansehen muß. Selvst in konservativen Kreisen gibt es einzelne Männer, welchen es klar ist, daß nicht nur die wüste Agitation der Antisemiten in den Parlamenten und in den Volksversammlungen, sondern auch die schonenden Rücksichten, welche man diesen Volksaufwieglern angedeihen läßt, sehr geeignet ist, den gesetzlichen Sinn bretter Schichten der Bevölkerung empfindlich zu schädigen. Wie der „Börsencouner" aus gut unterrichteter Quelle erfahren haben will, hat die Derterlung der Reden des Grafen Pückler in Berlin verschiedentlich Aergernis erregt und u. a. auch einen streng konservativen höheren Reichsbeamten, der auf der Straße in den Besitz eines Flugblattes mit einer Pückler-Rete gelangt war, veranlaßt, seiner Entrüstung darüber Ausdruck zu geRn, daß Red n derartigen Inhalts anstandslos auf der Straße verteilt werden. Diese Vorkommnisse sollen an zuständiger

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