Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 334 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316721--12525-2333455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Im deutschen Reich. Umfchan. Einläßlich der Reichktagswahl im Kreise Frankfurt a. O.-Lebus er- IS örterte die „Frankfurter Oderzeitung" in einem Artikel „Was sind und was wollen die Antisemiten?" das Programm der antisemitischen Reform vom Oktober 1895, welches der von der „Wirtschaftlichen Vereinigung" aufgestellte Generalmajor v. Jagwitz als das seine bezeichnete. Dabei kommt das Frankfurter Blatt zu dem Schluffe: „Die Antisemiten wollen also das ganze deutsche Volk einigen. Wie ffe diesen ihren Programmgrundsatz in die -Praxis umsetzen, das beweisen sie schlagend dadurch, daß sie die bereits geeinigten Bürger und Bauern von Frankfurl-Lebus auseinander zu treiben versuchen, daß sie sich in unfern Wahlkreis eindrängen, der sie nicht gerufen hat und in dem man nichts von ihnen wisien will." Das Blatt entnimmt ferner dem von der konservativen Parteileitung herausgegebcnen „Ratgeber" folgende Beurteilung der Antisemiten: „Die Partei hat bis jetzt keine erfolgreiche Tatkraft gezeigt, nicht einmal in der von ihr als ihr besonderes Fabrikat in Anspruch genommenen Frage der Mittelstandspolitik. Sie hat oft zersplitternd und zerspaltend gewirkt und ihre Wahlerfolge meist auf Kosten der Konservativen erzielt." Im Kreise Frankfurt a. O.-Lebus ist ihr dies nicht gelungen; der antiseinitischbündlerische General v. Jagwih. der übrigens bereits früher im Wahlkreise Laudeehut- Zauer durchgefallen ist, brachte es im Ganzen nur auf 2896 Stimmen, während der Kompromiß-Kandidat der Liberalen und Konservativen Rechtsanwalt Baffermann 11918, der Sozialdemokrat vr. Braun 11416 Stimmen erhielt und bei der Stichwahl dann Baffermann mit einem Mehr von 3400 Stimmen das Mandat errang. Ob di« Erkenntnis der Konservativen und Nationalliberalen von dem „was die Antisemiten sind und was sie wollen?" Vorhalten wird, bleibt abzuwarten, .aber eS ist immerhin gut, wenn eine solche Frage von Leuten erörtert wird, die früher den Aufschwung der antisemitischen Bewegung gefördert oder doch mindestens nicht ungern gesehen haben, weil sie irrtümlich von ihr Nutzen für ihre Fraktion erhofften. Die Frage „waS die Antisemiten sind", hat