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Im deutschen Reich · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. 332

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-06-01
Page
332 (sequence 7)
Language
German
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332 Im deutschen Reich. des Dramas ist ein sehr einfacher — Alfons, der eben sich mit einer englischen Prinzessin vermählt hat, verliebt sich in eine ebenso scköne, als kokette Jüdin, welche ihm zufällig in den Weg läuft. Während er mit ihr die Zeit vertändelt und durch sie Gattin und Regierungsgeschäfte vernacklässipt, vereinen sich die Großen des Reiches mit der gekränkten Königin dazu, Rache an der Jüdin zu nehmen und den König zu seiner Pflicht zurückzuführen. Die Jüdin ward im Lust- , schloß des Königs überfallen und ermordet, nachdem der König durch List fern gehalten worden war. Die Zeilschilderung zeigt uns, daß auch in Spanien die Juden Beschränkungen unterworfen und mehr gehaßt, als geliebt waren. Schon die ersten Worte des Dramas, die Mahnung Isaaks an Rahel, den königlichen Garten zu meiden, weisen darauf hin : „Wenn der König hier lustwandelt, Darf kein Jud' — Gott wird sie richten! — Darf kein Jud' den Ort betreten! In Don Garceran ist der Haß gegen die Juden lebendige Triebfeder des Handelns, und nur widerwillig gehorcht er dem Köniz, der die schöne Jüdin in seinen Sckuh stellt; er gerade hilft sie ermorden. Vorurtnlovoll urteilt die Königin über die Juden, wenn sie sagt „Geheime Künste üben sie verrückte, Mit Bildern, Zeichen, Sprüchen, bösen Tränken, Die in der Brust des Menschen Herz verkehren Und feinem Willen machen untertan." Ganz anders der König, der gerecht und vorurteilslos, wie historisch ein späterer Alfons (der Weise) und seine Nachfolger, das Judentum beurteilt: „Ich selber lieb' es nicht, dies Volk, doch weiß ich, Was sie verunziert, es ist unser Werk: Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken, Zudem ist etwas Großes, Gazeran, In dies m Stamm von unstet flücht'gen Hirten! Wir andern sind von heut: sie aber reichen Bis an der Schöpfung Wiege." Und sehr einsichtsvoll setzt er hinzu.: „Wir kreuz'gen täglich zehnmal unfern Herrn Durch unsre Sünden, unsre Missetaten, Und jene Haben s einmal nur gethan."

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