Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Die Methode eines modernen Historikers
- Date
- 1904-06-01
- Page
- 325 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Methode eines modernen Historikers. 325 Einem solchen Gegner gegenüber muß der Kampf aushören. Liebe hat noch vielerlei Schriftsteller angeführt, ohne seine Quellen genauer zu bezeichnen. Bei einem andern dürften wir auf Treu und Glauben annehmen, daß er richtig zitiert, der Mann abrr, der das Wichtigste unvidrückt, hat den Anspruch auf dieses Vertrauen verscherzt. Wir wissen nicht, ob L'.ebes sonstige Anführungen alle richtig sind, aber die mitgeteitte Probe zwingt Zum stärksten Argwohn. Wer einem Menschen zuerst die Knochen verrenkt, hat nachher leicht sagen, er habe keine geraden Glieder mehr. Mit Liebes Kunstgriffen läßt sich alles beweisen, daß die Lehrer nur drei Tage im Jahre unterrichten, ebensogut, wie daß die Juden mit Recht bestohlen und totgeschlagen wurden von denen, die im Volkslied und in den köstlichsten Bauwerken uns Zeugnisse des deutschen Gemüts hinterlafftn haben. Aber der Beweis ist auch danach. Einem Leser, -er sein Buch nicht im Schlaf liest, wird Liebe nur wenig Respekt einflößen. Das deutsche Gemüt, das er feiert, preisen auch wir. Wir bewundern die herrlichen Bauwerke des Mittelalters, und das deutsche Volkslied ergreift uns. Aber wir glauben nicht, daß Wolfram von Efchenbach oder Erwin von Steinbach zu den Judenbiäiern und Judenmördern gehörten. Das überließen sie dem Gesindel, mit dem ihre Zeit nickt weniger behaftet war, wie die unsnge, und dessen Lerbrechen selbst die Kunst eines Liebe nicht hinwegwaschen kann.