Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Görlitz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 301 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 301 die höchst angeregt verlaufene Versammlung, für deren Zustandekommen in erster Linie den Herren Justizrat Dr. Hoeniger, Rabbiner I)r. Freund, Kunz, Pfeffermann und Hermann Dank gebührt. {$» Stettin, 3. Mai. Don mehreren Blättern wurde in den letzten Apriltagen übereinstimmend mitgeteilt, daß der 32 Jahr alte Dresdener Kaufmann M. Schlesier, als er auf seiner Hochzeitsreise in Trient angekommen war, sich vom Balkon des Hotels „Carloni" aus gegen eine unten vorüberziehende Prozession so ungebührlich benommen habe, daß seine Verhaftung erfolgte. Vor dem Polizeikommiffariat entschuldigte sich Schlesier damit, daß er als Protestant solche kirchlichen Bräuche nicht kenne und sich beim Vorüberziehen der Prozession amüsiert habe. Da gegen ihn Strafanzeige erstattet, und er in Haft behalten wurde, muß die junge Frau in Trient das Schicksal ihres Gatten abwarten. — Was hat nun der antisemitische Redakteur H. Röhl des Bütower „Amtsblattes" aus dieser Mitteilung gemacht V Da Juden nur in sehr seltenen Fällen berechtigten Anlaß zu Rügen geben, der Name „Schlesier" in arischen Familien weit häufiger als in jüdischen anzutreffen ist, wandelte Herr Röhl willkürlich den Namen in „Schlesinger" um, vertuschte die Tatsache, daß sich der junge Mann an amtlicherStelleselbst als „Protestant" ausgewiesen hatte, und nun entstand zur Belustigung der protestantischen und Aufreizung der katholischen Bevölkerung Bütows nachstehende Notiz des „Bütower Anzeiger" vom 26. April: „Der Herr Schlesinger mußt' seine Sarah verlassen! Ein reicher „daitscher" Jude, Herr Schlesinger, machte seine Hochzeitsreise von Dresden nach Trient. Vom Balkon seines Hotels aus beschimpfte er in echt asiatischer Weise unflätig eine katholische Prozession, die unten vorüberzog. Die Polizei nahm den Juden dafür in Haft, und mit der Hochzeitsreise war's aus. Schade, daß Herr Schlesinger nicht in Berlin emgesperrt wurde, — er hätte dann dem — Grafen Pückler Gesellschaft leisten können! (Wenn ein Christ eine Handlung der Juden beschimpft hätte, wie dies umgekehrt in Trient passierte, wäre die „Alliance isra&ite“ sofort in corpore auf den Bauch gefallen und hätte „Waih" geschrien! D. Red.)" — Einen anständigen Christen muß solche journalistische Falschmünzerei anwidern! © Rheydt, 2. Mai. Als charakteristische Beiträge zu dem Kapitel „DieJuden als Soldaten" sind folgende militärische Atteste einer einzelnen jüdischen Familie erwähnenswert: 1. Der Gefreite Raph. Lenneberg aus Vennhausen hat 3 Jahr 7 Monat gedient und ist mit folgendem Führungs-Attest entlassen worden: ,L. hat sich nicht allein moralisch gut geführt, sondern auch im Dienste stets als ein tüchtiger