Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Görlitz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316720-2333259--12458-2333348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Im Deutschen Reich. 3C0 zu schaffen. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Redners, dem der Herr Vorsitzende noch besonderen Dank aussprach. Auf den Appell an die Anwesenden, soweit sie noch nicht Mitglieder, wären, beizutreten, meldeten sich eine Anzahl von Herren, so daß die Mitgliederzahl in Görlitz zur Zeit 100 überschritten hat. Nach einer kurzen Pause eröffnet? Herr Pfeffermann die Diskussion. Er ging auf verschiedene Punkte des Vortrages ein, besonders auf die bekannten Vorgänge bei der Wahl in Eschwcge-Schmalkalden. Er wies die Vorwürfe, die der Leitung der freisinnigen Volkspartei von vei schieden en Seiten gemacht worden sind, scharf zurück. Jeder, der die Verhältnisse kenne, müffe wissen, daß die freisinnigen Wähler eine Parole „für den Sozialdemokraten gegen de» Antisemiten" im dortigen Wahlkreise nur zum kleinsten Teil befolgt haben würden. Herr vr. Wiesenthal hob hervor, daß keine politische Partei sich ganz mit den im Central-Vcrein vertretenen Anschauungen und dem von uns für notwendig gehaltenen Vorgehen decke. Für uns könne nur immer wieder die eine Parole gelten: Unter allen Umständen gegen den Antisemiten, für deffen Gegner. Dagegen hälten politische Parteien nicht selten mit taktischen und Opportunitäts« gründen zu rechnen. Unsere Aufgabe sei es, auf die Parteien nach Möglichkeit dahin einzuwirken, daß sie den Antisemiten gegenüber unsere Parole zu der ihrigen machen. Der Antisemitismus sei das schlimmste Ucbel, nicht nur für das Judentum, sondern auch für das freiheitlich gesinnte Bürgertum, sowie für den Staat, für Deutschtum und Gesittung. — Darauf ergriff Rabbiner vr.Freund das Wort, deffen zu Herzen gehenden Ausführungen die Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten. In klaren, begeisternden Worten trat er für die Prinzipien des Central-Dereins ein. Eine Anfrage seinerseits nach dem Stand der Schächtfrage und der Seelsorge für jüdische Jnsaflen von Zuchthäusern beantwortete Herr vr. Lövinson unter Hinweis auf die bisher im Jntereffe dieser beiden Angelegenheiten von dem Central-Vereins- Vorstand entfaltete umfassende Tätigkeit, der hoffentlich der Erfolg nicht fehlen werde. Auf eine Anfrage des Herrn Justizrats vr. Horniger, die Veranstaltung von Protestversammlungen aus Anlaß der Judenverfolgungen in Kischinew und Home! betreffend, entgegnete Herr Rechtsanwalt vr. Lövinson, daß die Veranstaltung solcher Versammlungen nicht in den Rahmen der Tätigkeit des Central' Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fallen Wörde, sondern dem „Hilfsvereine der deutschen Juden" überlassen werden müßte. Nachdem noch Herr Wolf als Gast gesprochen hatte, schloß der Vorsitzende