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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 225

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
225 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Umschau. 225 Krieg als General mit. 1887 trat er in den Ruhestand und beschäftigte sich in den letzten Jahren vielfach mit jüdischen Angelegenheiten. Ein solcher Generals der seinem jüdischen Glauben treu bleibt, ist in Rußland, wo Staat und Kirche eng verbunden sind, undenkbar, aber das in Mitteleuropa jetzt so stark grassierende Rassenvorurteil ist im Reiche des Zaren nicht vorhanden. Ihre persönliche Sicherheit und die der Residenzstadt Petersburg haben mehrere Zaren einem General anvertraut, besten Vater in Kowno sich noch zur jüdischen Religion bekannte und dessen Onkel, obgleich russischer Staatsrat, seine jüdische Abstammung nie verleugnet hat. Die russtschen Juden, welche unter dem Drucke der Verhältnisse ihren Glauben wechseln, unterscheiden sich meistens vorteilhaft von den mitteleuropäischen Konvertiten dadurch, daß sie sich ihrer Abstammung nicht schämen und sich nicht denen anreihen, die ihre früheren Glaubensgenossen verfolgen. So gehört u. a. der Moskauer Professor Dr. Chwolson, obgleich er sich jetzt zur griechisch-katholischen Religion bekennt, zu den eifrigsten Bekämpfern des Ritualmordwahns. Aber die Lage der Juden in Rußland bleibt trotzdem eine traurige, weil der Leiter des heiligen Synods, Pobedonoszew, der auf die Regierung einen unbegrenzten Einfluß ausübt, in dem Minister von Plehwe ein ebenso williges wie geschicktes Werkzeug gefunden hak und das einflußreiche Blatt Suworins, die „Nowaja Wremja" es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle patriotischen Kundgebungen der russischen Juden als Heuchelei darzustellen. Dieses Blatt bezeichnet ungescheut als Grund des rufsisch'japanifchen Krieges die Revanche für Krschinew; es sagt, Amerika wünsche sich für die Zurückweisung der Rote Hays, England für die Ausweisung des „Tiines^-Korrespondenten Brogam zu rächen, welcher die Couliffen des Dramas von Kischinew aufgedeckt hatte. England und Amerika hätten Japan in den Krieg gehetzt und die Juden dafür Milliarden zur Verfügung gestellt. Das ist zwar Wahnsinn, aber in dieser Tollheit liegt Methode. Dir größte Gefahr liegt aber nicht in dieser Hetzerei, sondern in der Art, wie bei der Verarmung großer russischer Bevölkerungsschichten die „freiwilligen" Spenden für den Milliarden verschlingenden Krieg den Bewohnern des Zarenreiches abgenötigt werden. Wer nicht freiwillig spendet, den erinnert man zart daran. Gar nicht zu reden davon, daß allen Staats- und Kommunalbeamten Gehaltsabzüge gemacht werden; man erwartet auch von den Kaufleuten und Handwerkern, daß sie von den verkauften Waren einen Prozentsatz abliefern. Und es zahlt jeder — ob er es vermag oder nicht — was man ihm befiehlt. In-

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