Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 201 (sequence 1)
- Language
- German
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201 Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Landmerk, eine soziale Krage. Vortrag des Herrn Konsul A. M. Simon aus Hannover in der ordentlichen Mitgliederversammlung des Central- Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am 22. Februar 1901. «^aß wir Juden, wie immer man uns bezeichnet: als Volksstamm, als Rasse oder als Religionsgesellschaft, als deutsche Staatsbürger dieselben Pflichten erfüllen müssen wie unsere christlichen Mitbürger, darüber sind wir uns alle einig. Dies schon deshalb, weil wir dieselben Rechte verfassungsmäßig beanspruchen. Abgesehen von den gesetzlich geregelten Pflichten, wie Militärdienst, Steuerabgaben :c. haben wir noch ideale Pflichten gegen den Staat, in dem wir leben, und dessen Gesetze uns schützen. Die erste Pflicht, die wir alle unserem Vaterlande schulden, ist die, ihm nach Kräften zu nützen und das Wohl und zugleich den Wohlstand der Gesamtheit zu erhalten und zu fördern. Am besten wird diese Pflicht dadurch erfüllt, daß jeder einzelne in seinem Berufe oder seinem Fache das möglichst Vollkommene zu leisten sich bestrebt. Es ist naturgemäß unmöglich, zu bestimmen, welcher Beruf dem Staat am meisten nützt. Ein gut geleiteter moderner Staat ist einer gut funktionierenden Maschine vergleichbar. Die Regierungsorgane sollen die Stelle des erfahrenen, gewissenhaften Maschinisten vertreten. Wie dieser die Maschine bei fortwährender Beaufsichtigung durch Zuführung von Heizmaterial und rechtzeitiger Oelung in Gang erhält und vor Reibung und zu rascher Abnutzung der einzelnen Teile bewahrt, so sucht eine weife Regierung durch Förderung der Verkehrsverhältnisse, Eisenbahnen und Wafferstraßen und durch gute, zweckmäßige Gesetze und Handelsverträge Landwirtschaft, Industrie und Handel zu heben, die Staatsmaschine in Gang zu erhalten und jedem einzelnen Staatsbürger dadurch die Möglichkeit zu verschaffen, sich zu ernähren. Wie der tüchtigste Maschinist seine Maschine nicht in Gang zu erhalten vermag, wenn die kleinste Schraube ihre Dienste versagt, so müßte die größte und beste Staatsmaschine in Unordnung