Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- An nichtjüdische Leser dieser Zeitschrift
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 183 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 183 sinnung, hohe Feste zum Vorwand zu nehmen, um die niedrigsten Triebe des Menschenherzens, Mißtrauen, Neid und Haß zu entfachen! Unmöglich ist es eine würdige Vorbereitung zu einem religiösen Feste, unter Berufung auf die Religion Flugblätter zu verbreiten, deren letzter Inhalt doch weiter nichts ist als: „Kauft nicht bei anderen, sondern kauft bei mir!" Kein Schacher und kein Wucher ist so nichtswürdig als das Schachern und Wuchertreiben mit der Religion. Lasse man sich also nicht betören durch gewerbsmäßige Hetzer, die aus der Religion ebenso ein Geschäft machen, wie aus dem Patriotismus; frage man bei Einkäufen nicht nach Abstammung und Glaubensbekenntnis des Verkäufers, sondern nur danach, wo man ehrliche Ware zu angemessenen Preisen bekommt. Was schlecht und teuer ist, wird darum nicht besser und billiger, wenn es von einem Christen verkauft, und was reell und preiswürdig ist. wird darum nicht schlechter und minderwertig, weil es von einem Juden verkauft wird. Was hat das Geschäft mit der Religion zu tun? Wie es Schwindler gibt unter Juden und Christen, so wird man ehrlichen Handel und preiswerte Ware finden bei Juden und Christen, und nur darauf darf es ankommen. Mißtrauen verdienen aber diejenigen, die unlautere Konkurrenz betreiben, indem sie ihre Religion als Reklame für ihre Ware benutzen. Bei den Geschäftsantisemiten und in ihren Preßerzengniffen gilt das Geschäft als Hauptsache. Die „Staatsbürger Zeitung" warnt davor, bei Juden zu kaufen, räumt aber den mit dem Abbilde einer christlichen Kirche versehenen Inseraten, in welchen die jüdische Firma Baer Sohn „Einfegnungs Anzüge" empfiehlt, sowie den Anzeigen der jüdischen Amerikaner, welche „Taits Diamanten" unter schriftlicher Garantie jetzt für 2 oder 3 Mk. ankündigen, die besten Plätze ein. Andere antisemitischen Blätter erklären in fetten Lettern, daß bei ihnen „nur reelle christliche Geschäftsanzeigen" Aufnahme finden und bringen in derselben Nummer u. a. ein Inserat der österreichischen Jüdin Anna Czillag-Stern, deren Pomade den Damen Riesen- Loreley.Haar, den Herren kräftigen Bartwuchs schaffen soll. Die Bürger einer Stadt wie des ganzen Staates sind in unzähligen Beziehungen auf einänder angewiesen; je friedlicher und emträchttger sie mit einander leben, um so beffer wird es um jeden einzelnen und um das ganze Vaterland bestellt sein. Fort mit allen Verdächtigungen und Verhetzungen, fort mit dem Mißbrauch der