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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 149

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-03-01
Page
149 (sequence 4)
Language
German
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Der Jude im deutschen Drama. 14» Jetzt aber spricht König David zum Geiste SamuslS: „Die Zeit ist um, wo ich Dein Knecht gewesen", und Samuel erwidert: „Ich weiß, daß Du mit Deinem Menschenwitz Nie auf die Dauer Formen schaffen wirst, Bei denen sich die Welt beruhigt. Es koinmt die Zeit, wo Gott Erlöser sendet, Und ist der Becher überschäumend voll, Sich selber in den Menschensohn verbirgt. Dann wird die Welt aus einem Traume fahren, Die Erd' in ihren Fugen angstvoll zittern, Und die Tyrannen werden niederknien Vor Glorien und nie geahnten Wundern." Auch in dieser zweifellos billigen Prophezeiung von Tatsachen, die mehr als tausend Jahre später sich zutrugen, verkündet sich die Siegesgewißheit der kirchlichen Macht, selbst in einem Augenblicke, da sie besiegt am Boden liegt. Wie sehr Gutzkow der spätere Zwiespalt zwischen Kirche und Staat vor der Seele geschwebt hat, verraten schon die m hrmals gebrauchten, für die Zeit der Handlung doch ungeeigneten Begriffe: Kirche, Kleriscy, Klostermauer usw. Samuel aber entwickelt geradezu befremdende Logik, wen» ihn der Dichter sagen läßt: Es strich der Herr die reine Tugend aus Im Buch des Lebens, als seit Adams Fall Dem schwachen Menschen nicht mehr ganz erschwinglich. Seitdem ist es vor Gott erlaubt, zu Zwecken, Die seines Namens Herrlichkeit berühren, Sich fchlangenkluger Mittel zu bedienen. Und wir müffen bei solcher Moral wohl in dem unverständigen Saul mehr Verstand entdecken, wenn er sich zu David äußert: „Das ist die Art der Kirche; immer Holt sie aus göttlichen Gesetzen her, Was ihres Vorteils ist." Daß Gutzkow in seinen Anachronismen, so weit geht. Saul vom wilden Jäger (IV, 5), der „Eule und dem wilde« Heer der Geister", die ihre Teufelsfrahen nicht verbergen, reden zu laffen, fei nur nebenher erwähnt. (Fortsetzung folgy.

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