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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 146

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Der Jude im deutschen Drama
Date
1904-03-01
Page
146 (sequence 1)
Language
German
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146 Im deutschen Reich. Aer Jude im deul scheu Arama. (AuS dem Nachlaß deS frühverstorbenen BereinSmitgliedeS Dr. Richard Landau in Nürnberg.) I. Es ist ein schöner Vorzug des Dichters, gleichsam von einer hohen Wa> te aus das Streben und Leben der Menschen zu verfolgen mit geschärfte«- Auge und geschärftem Ohr, von der Höhe, zu der ihn seine empfänglichere Seele emporgehoben hat, hinabzuschauen auf die Taten der Völker und Fürsten, hinabzulauschen auf die Regungen ihrer Gedanken. Und alles, was er gesehen und gehört hat, verschließt sich in seine Seele, bis es geläutert von den Schlacken des vergänglichen Tages, in ewiger Reinheit und Klarheit aufs neue von seinen schaffenden Sinnen geboren wird. Dann aber werden diese seiner Schöpfungen zu Spiegeln, hinter denen Menschen und Umstände aus der Lebenszeit des Dichters zu betrachten sind. Denn jeder Dichter ist mehr oder weniger ein Kind seiner Zeit, und mag ihn sein scharfer Verstand und seine kühne Phantasie zurück in die Vergangenheit setzen, mag der Wink seines Gentes diese farbenprächtig und lebendig vor unseren entzückten Augen entstehen lasten; es wird ihm wohl kaum jemals möglich sein, sich der Lebenszeit ganz und vollständig zu entreißen. Mag das dem Dichter noch so vollendet gelingen, schon die Wahl des Stoffes mahnt an Tatsacken und Geistesströmungen seiner Zeit. Man denke z. B. an Schillers Wilhelm Tell; entstand er nicht, als das deutsche Vaterland vor der Faust und dem Fußtiitt des korsischen Tyrannen erbebte? Man denke an die Hermannsschlacht des unglücklichen Heinrich von Kleist! Sein Darus ist Napoleon, seine Römer sind Franzosen! Und mag uns Goethes Jphighenie auch mit dem Geist des klassischen Griechentums erfüllen, seine Jphighenie ist entgegen der des EuripideS in ihrem ganzen Denken und Fühlen deutsch und christlich. Gerade von den dichterischen Schöpfungen gilt das Faustsche Wort: „Was Ihr den Geist der Zeiten heißt, Das ist im Grund der Herren eigner Geist, In dem die Zeiten sich bespiegeln." Dann werden die Dichtungen der beredte Mund derjenigen Zeit, in der ste entstanden find! Darum vernehmen wir aus ihnen

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