Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Zum Andenken an Matthias Jakob Schleiden
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 145 (sequence 7)
- Language
- German
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Zum Andenken an Matthias Jakob Schleidm- 145 verwerten, so steckten wir ja leider noch mitten im Mittelalter, und in einzelnen Gegenden sogar allzu Lief. Die Phase einer wahren Renaissance des Menschengeschlechts wird erst von dem Zeitpunkt ab datiert werden dürfen, wo den Juden die Menschenrechte ungeschmälert zuteil werden. . Doch zurück zu Schleidens zweiter Schrift. Ein prosissionierter Kenner unserer Geschichte Härte sie nicht sachlicher und in so knappem Rahmen nicht gründlicher schildern können als das von Schleiden geschehen ist. Auch düse Schrift kennzeichnet den deutschen Professor und dessen Fähigkeit, in jedes Wissensgebiet einzudringen; sie kennzeichnet gleichzeitig den Menschen Schleiden mit seinem.warmen Herzen für die seit Jahrtausenden gedrückte, verfolgte und systematisch geknechtete jüdische Menschheit. „Ein zehnmal größerer Raum, als mir in dieser Arbeit zugemeffen ist, wurde noch nicht hinreichen, alle die Schandtaten darzulegen, welche von den Chrinen gegen die Juden begangen sind, auch würde diese Häufung der Greuel meine Leser anekeln". So muß Schleiden, der geborene Christ, bekennen (l. c. p. 33), und als Autorität hierfür zieht er Graetz mit einer bekannten Kraftstclle heran, die ich hier nicht nochmals wiederholen will. Leider' ist sie noch nicht antiquiert. Knchineff hat es bewiesen, und ginge es nach dem G^schmacke unserer lieben Herren Antisennten, so wäre den deutschen Juden kein besseres Los beschieden. Schlerden ist 1881 gestorben. Aber er ist in Wahrheit nicht tot. Männer wie er leben ewig. Seine beiden hier genannten Schriften bedeuten für das Judentum beinahe soviel wie pme botanischen Forschungen für den Fortschritt der Wissenschaft. Ob nicht vielleicht jene Leistungen in der Geschichte der Kultur mehr wiegen als diese, ist eme Frage, die immerhin aufgeworfen werden kann. Denn wie lautet doch das bekannte Wort? „Qui proficit in litteris et deficit in moribus, plus deficit quam proficit“. Schlerden gehört jedenfalls im Gegensätze zu Treitichke und manchen anderen lebenden und toten Zierden der deutschen Wissenschaft zu den wahren Kulturträgern der Menschheit. Möge es an solchen Männern der deutschen Ration niemals fehlen.