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Im deutschen Reich · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. 97

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Der Ewige Jude - kein Jude!
Date
1904-02-01
Page
97 (sequence 12)
Language
German
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Der ewige Jude - kein Jude. 97 deutschen Juden schon in den Zeiten der Bedrückung so fest an der Scholle, daß die Gemeinden von Worms und Prag auf ein fast tausendjähriges Alter zurückblicken, so haben wir jetzt noch viel mehr Grund, unser deutsches Vaterland zu lieben, das uns im Jahre 1869 . ie volle Gleichberechtigung gewährte, besten Sitten und Sprache uns täglich mehr zu eigen werden, an dessen neuzeitlichen Kulturfortschrilten getaufte und ungetanste Juden hervorragend mitgearbeitet hiben. Wird durch das bedauerliche Wiederauftauchen mittelalterlicher. Vorurteile den Juden das öffentliche Wirken wesentlich erschwert und die gesellschaftliche Stellung verleidet oder verkümmert, so darf dies ihrer Vaterlandsliebe keinen Eintrag Lun. sondern nur ihren Familiensinn und ihre Freude an dem stillen Wirken wieder vermehren, die sich Ln freieren Jahrzehnten bei vielen, mehr als gut war, vermindert hatte. Niemals hat die Juden ein wirklicher Ahasver-Fluch getroffen, aber recht oft eine Blleamo-Verwünschung gegen überflüfsi.res Hervordrängen oder Verleugnung ihrer schönsten Herzens- und Gcistescigenschaften. Bei der rechtzeitigen Einkehr unter dem Druck gehässiger Vorurteile wandelte sich aber auch stets wieder jede Di'eams-Verwünschung in den Segen: „Wie schön sind Deine Zelte, Jakob, Deine Wohnungen, o Israel!" Das jüd scke Familienglück bot immer reichen Ersatz für trübe Erfahrungen im Außenlcben. Die Mitwirkung im öffentlichen Leben bleibt den Juden doch nicht verschlossen; sie kann ihnen auf die Dauer auch garnicht verkümmert werden, denn bei der wohlgesinnten Mehrheit des deutschen Volkes wird sich immer wieder die Erkenntnis Bahn brechen, daß in den Deutschen jüdischen Bekenntnisses ein tüchtiges, nützliches Kulturelement ruht. Das durch Selbstzucht, strenge Sittlichkeit. Ehrgefühl, rechten Mannesmut und Gcmeinsinn zu beweisen, sei das Streben jedes einzelnen Deutschen jüdischen Glaubens. Dazu wollen wir uns gegenseitig erziehen und in diesem Sinne fest Zusammenhalten, einig nach Junen, fest nach Außen, rechte seßhafte deutsche Bürger, aber beständig fortschreitend auf der Bahn der Tugend, Wahrheit und der Ehre! Rastlos wie Ahasver ist mit uns Juden die ganze Menschheit in stetem Fortschritte begriffen, aber sie befindet sich nicht auf der Wanderung zur Verwesung, sondern auf dem Pfade zum Leben, zur Liebe und zum Licht! Alplioiise Lery.

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