Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Der Ewige Jude - kein Jude!
- Date
- 1904-02-01
- Page
- 95 (sequence 10)
- Language
- German
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Der ewige Jude — kein Jude. 95 kannt. Erst der äußere Druck ließ sie in der Erkenntnis der GoLteslehre, im eigenen Herzen und in einem sittlichen Familienleben das wahre Glück finden. Ihr L-id gereichte ihnen zu größerem Heile als den Römern die Weltherrschaft, welche schließlich im Taumel unnatürlicher Laster, im Blutgeruche der Arena und im blinden Wüten übermütiger Prätorianer ein rühmloses Ende fand. Mit dem Verluste ihrer eigenen Nationalität gewannen die Juden die Fähigkeit, anderwärts schnell Wurzel zu schlagen. Ihre dankbare Sinnesart lehrte sie jede Heimat lieben, in welcher man ihnen ein menschenwürdiges Dasein gönnte. Wo man sie nicht in enge Judenviertel oder winkeüge Judengassen einzwängte, streiften sie bewundernswert schnell die unwürdigen Eigentümlichkeiten des Sklaoenlebens ab, welche in ähnlicher Weise den Zigeunern, den Negern und allen Völkern anhaften, die lange in Unfreiheit und Verachtung ein würdeloses Dmem führten. Für den Kenner des Alten Testaments braucht die Behauptung, daß die tausendjährigen Prüfungen nur eine heilsame Schickung darsteüen, keines Bewciies. Dem Bibelkenner erscheint aber auch das angebliche Verhalten Ahasvers gegen einen zum Tode Verurteilten ebenso unmöglich wie die ihm dasür auserlegte maßlose Strafe. Das Alte Testament kennt gar keine in alle Ewigkeit Verdammten. Der Prophet Joel sagt (Kap. 2, Vers 13): „Gott ist gnädig, barmherzig und von großer Güre und reuet ihn bald der Strafe." Jona (Kap. 4, Perö 2) betet: „Ich weiß, daß Du gnädig, barmherzig langmütig und von großer Gnade bist und lastest Dich des Uibele reuen." Von den vielen Pjalmen-Stellen, die jedem reuigen Sünder Gnade verheißen, finde nur Kap. 103, Vers 3, Erwähnung: „Der alle Deine Sünden vergibt und heilet alle Deine Gebrechen" und Vers 9: .Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten!" Die dem Ahasver angedichtete Todessehnsucht entspricht erst recht nicht der jüdischen Denkung^weise, der ein Reue und Besterung vereitelnder rascher Tod als unendlich härter gilt als das trübseligste Leben. Das Alte Testament kennt gar keine Todessehnsucht. Pjalm 115, Vers 16, 17, heißt es: „Der Himmel ist allenthalben des Herrn, aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Die Toten werden Dich Herr nicht loben, noch die hinabfahren in die Stille." Psalm 118, Vers 17, 18, sagt: „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen. Der Herr züchtigt mich wohl, aber er gibt mich dem Tode nicht." Die Bibelstelle 3. Buch Mosis. 18, 5: „Haltet meine Satzungen, dann) Ihr lebet" deuten die Rabbinen (Maccoth 23 b und Sanhedrin 74 a) ausdrücklich dahin: