Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die russischen Juden. Vernichtung oder Befreiung?
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 61 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 61 einzeln zu prüfen und darzutun, daß sie entweder unberechtigt oder übertrieben sind, und daß eben die Ausschließung von allen Rechten und aller Bewegungsfreiheit die meisten Mißstände erst hervorruft. Es fehlt hier der Raum, auf die Einzelheiten einzugehen; nur darauf sei hingewiesen, daß selbst die russischen Kommissionen, die wiederholt zur Prüfung der Judenfrage eingesetzt worden sind, dieserkannt und ausgesprochen haben (S. 138 ff.). Die Judenfrage kann in Rußland weder durch Massenbekehrung noch durch Massenauswanderuna, sondern nur durch bürgerliche Gleichstellung, durch Freiheit des Verkehrs und Freiheit in der Wahl des Berufes gelöst werden; schon vor 20 Jahren schrieb ein ruffijcher Staatsmann, Fürst Temidow: „Es gibt nur ein einziges Mittel zur Verbesserung der Lage: das ist die Gewährung der Gleichberechtigung für die Juden, die Aufhebung der Ausnahmegesetze und das im Gesetz ausgesprochene Wohlwollen, welches aus diesem in die Sitten übergehen wird." Noch scheint eine solche Lösung unerreichbar fern zu sein; aber Bücher, wie das vorliegende, sprechen eine so laute Sprache, enthalten einen so dringenden Appell an die zivilisierten Völker der Welt, daß wir sie als Herolde und Bahnbrecher zum Wege der Erlösung der armen russischen Juden mit Freuden begrüßen. J. S. Das Buch des Friedens. Beiträge zur Friedensbewegung, heransgegeben von I. V. Ed. Wundjam in Zürich und verlegt von Neukam & Zimmennann in Bern. 1897. In diesem uns von einem treuen Vereinsmitgliede in Ehaux de Fonds, Herrn Marc Bloch gesandten trefflichen Buche finden wir neben intereffanten Beiträgen von Tolstoi. Björnson, A. G. u. B. v. Suttner, M. v. Egidy, Schmidt-Cabanis, Ludwig Fulda u. a. m. auch den folgenden von B. v. Carneri in Marburg a. D. gelieferten Beitrag: „Antisemitismus und Weltfriede". „Es wird zu keinem echten Frieden auf Erden kommen, solange der Antisemitismus das Haupt hoch tragen darf wie jetzt. Warum er es so hoch trägt? Durchaus nicht wegen seiner eigenen Macht. Immer wird es eine gewisse Anzahl Halbmenschen geben, die, von Neid und Habsucht verzehrt, in jeder Betätigung des Fleißes eine ihrer Trägheit schädliche Konkurrenz erblicken, die sie am liebsten plündern möchten, und, geht dies nicht an, mit allen Spielarten des Raffenhaffes und der religiösen Intoleranz - bekämpfen. Diese Halbmenschen werden aber oft eine Macht durch die Unzahl Gleichgutiger, die zwar mit ihnen nichts gemein haben wollen, aber zu ihren paffiven Bundesgenossen werden, indem ihre gesinnungslose