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Im deutschen Reich · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. 46

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-01-01
Page
46 (sequence 2)
Language
German
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46 Fm deutschen Reich. getragen wurden, daß noch späte Enkel ihr Andenken segnen und dafür sorgen würden, daß das Judentum immer wieder wie ein Phönix aus der Asche emporsteigen werde. — Den Empfindungen des Dankes der Anwesenden für diesen Vortrag lieh der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Poppelauer, herzlichen Ausdruck, und dann bot der als Vertreter des Vorstands anwesende Vorsitzende der Rechtsschutz. Kommission, Herr Rechtsanwalt I)r. Lövrnson, verschiedene Mitteilungen über neuere Ereignisse ans dem Nereinsleben und über Errungenschaften der Tätigkeit des Vorstands, wobei die Versammlung wiederholt durch Kundgebungen der Zustimmung und des Beifalls ihr lebhaftes Interesse an diesen Mitteilungen bekundete. Die von der Gruppe Berlin SW. am 30. Dezember vorigen Jahres in Damms Festsälen veranstaltete Versammlung nahm einen befriedigenden Verlauf. Herr Rechtsanwalt Dr. Gu 1 tsmann er öffnete die Versammlung mit dem Ausdruck des Dankes für das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder und Gäste in einer für solche Versammlungen eigentlich ungünstigen Jahreszeit und erteilte dem Herrn Rabbiner I>r. Ackermann aus Brandenburg das Wort zu einem Bortrage, in dem der Redner die Frage: „Was lehrt das Judentum über das Verhalten zu Andersgläubigen?" in hochinteressanter Weise erörterte. Der Vortragende wies zunächst aus zahlreichen Aussprüchen der Bibel nach, wie unhaltbar die Behauptung der Juoenseinde sei, daß der Gott des Alten Testaments eigentlich ein „Nationalgott" sei. In der Schöpfungsgeschichte bereits sei Gott als Allvater hingefiellt, der jeden Menschen als sein Ebenbild geschaffen habe. Durch die noachidischen Gesetze habe er mit allen Menschen einen Bund geschlossen und an die Segnung Abrahams die Verheißung geknüpft, daß alle Menschen durch ihn gesegnet sein würden. Die Fürbitte des Mojes, die Psalmen Davids, das Gebet Salomos, die Weltengott-Prophezeiungen Jesaias und die meisten anderen Propheten legten Zeugnis dahin ab, daß Israel nur ein Versuchsfeld für die göttliche Offenbarung war, deren Ziel die Veredlung der ganzen Menschheit sein sollte. Liebe und Duldung waren ihr letztes. Das Gebot der Nächstenliebe, das selbst ein Hackel in seinem Welträtsel für das Neue Testament erklärte, ist im 3. Buch Moses Kap. 19 V. 18 zuerst deutlich ausgesprochen. Daß dort unter dem Wort „der Nächste" nur der „Stammesgrnoffe" gemeint sei, ist eine ungegründete, erkünstelte Behauptung, die dem Wortsinn widerspricht. Außerdem ist im Alten Testament das Gebot, den Fremden zu lieben und zu unterstützen, deutlich genug ausgesprochen. Die Sprüche Salomonis enthalten keinen Spott auf

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