Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-01-01
- Page
- 34 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 94 ausspricht, daß ein Jude zwar Mitglied einer städtischen Schuldeputation, nicht aber Mitglied des Vorstandes einer christlichen Schule sein könne, nach Lage der damaligen Gesetzgebung ausreichend begründet ist, mag dahingestellt bleiben. Aus den Bestimmungen des Gesetzes über die Schulaufsicht vom N. März 1872 geht hervor, daß die jüdischen Mitglieder einer Schulgemeinde allein ihres Glaubensbekenntniffes wegen von der Mitgliedschaft im Schulvorstand nicht ausgeschloffen werden können." — Die jndenfeindlichen Blätter, u. a. der fromme „Reichsbotc", die sächsische „Deutsche Wacht" u. a. m. begleiten diese Mitteilung mit echt antisemitischen Glossen. Die „Wacht" schreibt wörtlich: „Ein Christ als Vorstandsmitglied einer Judenschule ist selbstverständlich unmöglich, aber der Jude hat natürlich in Deutschland besondere Rechte." — In Sachsen ist man jetzt freilich drum und dran, ihnen solche „besondere Rechte" zu geben. Wenn Herr Landtags-Abg. Oswald Zimmermann bei der neuen sächsischen Judenordnung mitarbeitet, dann dürften diese „besonderen Rechte" völlig im Sinne des mittelalterlichen „Sachsenspiegels" ausfallen. Vom Kultusminister ist dem Rabbiner vr. S. Maybaum in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Bibelkritik und der Geschichte des Prophetentums der Professortitel verliehen worden. Das Kuratorium der Lehranstalt für dir Wissenschaft des Judentums veranstaltet auch in diesem Winter eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendicnfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, welche im Saale der Gesellschaft für Freunde, Potsdamer Straße 9, abends 8 Uhr gehalten werden, sind folgende: Am 18. Januar, vr. Fritz Mauthner: „Aus meinen Schriften." Am 1. Februar, vr. Jul. Lewit, Großherzogl. Landesrabbiner in Birkenfeld a. d. Rahe: „Koheleth und Schopenhauer." Am 15. Februar, Prof. vr. Carl Lehmann: „Israels Stellung in der Weltgeschichte nach babylonisch-assyrischen und ägyptischen Quellen." Am 29. Febr., Chefredakteur Js. Landau: „Der jüdische Humor." Am 7. März, Prof. vr. BaginSky: „Gesundheitspflege im jüdischen Kriegslager." Am 21. März, Geheim-Rat Prof. vr. Pinner: „Die Chemie in der Bibel." In dem Heft Nr. 6l der „Mitteilungen" des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird u. a. über folgende Tatsachen berichtet: Das preußische Ministerium deS Innern empfiehlt die Fürforge- ErztehungS-Anstalt deS Bundes in Plöhenfee für israelitische Mädchen den Provinzial- und Kommunalbehörden behufs Unter-