Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- E. C., Königsberg
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 751 (sequence 3)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion- 751 Aufruhr wird immer häufiger. Der Nihilismus war noch national, hat aber nur die Willkürherrschaft der Beamten noch gefördert. Jetzt werden die Nihilisten durch Anarchisten ersetzt. Die Greuel von Kischinew in diesem Frühjahr waren im Grunde sozialistisch-kommunistisch rohester Art. Die Bewegung richtete sich überhaupt gegen den Besitzenden. Aber gerade deshalb durste die Presse davon nichts veröffentlichen; der Regierung paßte es eben besser, jene Ausbrüche der Volksleidenschaft als reine Judenhetze gelten zu lassen". — Zu dieser Schilderung bemerkt der Casseler Antisemit I)r. Winterstein: Von der Brüggen empfiehlt in seinem genannten Werk schließlich Freundschaft mit einem geläuterten Rußland, Pfister- Schwaighusen dagegen, der Freund der Angelsachsen, fordert Rußlands Vernichtung". Versuchen wir es erst einmal mit jener, jedoch ohne uns mißbrauchen zu lassen, aber auch, so bald es not Lut, mit dieser. Ein etwaiger Zusammenbruch Rußlands muß sofort benutzt werden. Inzwischen mögen wir aber scharf auspassen, uns auf alles sorgfältig vorbereiten und stets fest und sicher austreten. Wenn einer fürchten muß, so ist es Rußland. Wir können also der Zukunft ruhig entgegen gehen". I. Osterode (Ostpreußen). Die statistische Leistung der „Osteroder Zeitung" hat uns belustigt. Dieselbe bringt unter der Ueberschrift „Stadtverorduetenwahlen" die Behauptung, daß, wenn die dortige Stadtverordneten-Versammlung, der bisher 18 Protestanten, 2 Katholiken und 4 Juden angehörten, aus die Zahl von 30 Stadtverordneten vermehrt würde, eigentlich nach dem Prozentsätze der Bevölkerung (83 % evangelisch, 15 % katholisch und 2 % jüdisch) rund 25 Protestanten, 4 Katholiken und 1 Jude zu Stadtverordneten gewählt werden müßten. Der Redakteur scheint dem „paritätischen" Centrum das prozentuale System abgelernt zu haben, nach welchem alle Aemter verteilt werden sollen. Bis jetzt aber überwiegt glücklicherweise auch in Osterode noch die Annahme, daß bei diesem prozentualen System die Tüchtigkeit der Leistungen in allen Aemtern sehr verlieren würde, weil die Fähigkeiten auch nicht immer nach dem Religionsbekenntnis verteilt sind. Am 26. Oktober sind dort die beiden jüdischen Kausleute S. Jacoby und Samulon, ferner 8 Protestanten und 3 Katholiken zu Stadtverordneten gewählt worden. Unter den 30 Stadtverordneten Osterodes befinden sich jetzt 5 Juden. O. M., Leipzig. Die Universität Breslau hat zur Zeit in dem Königlichen Geheimen Regierungsrat Professor Dr. phil. Immanuel Jakob Rosanes einen Rektor, der sich zum jüdischen Glauben bekennt.