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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 750

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
E. C., Königsberg
Date
1903-12-01
Page
750 (sequence 2)
Language
German
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750 Iw deutschen Reich. zu sein, daß in Bezug auf diese Abwehr die russischen Staatsmänner bereits das Menschenmöglichste geleistet haben, als daß von der Segnungen der arischen Kultur im Zarenreiche blutwenig zu spüren ist. Wie es mit der Kultur dort bestellt, was dort noch zu verderben oder zu zersetzen war oder ist, darüber sollte sich der „Arier-" Nikolaus Engelhardt aus einem Buche belehren, in dem nicht etwr ein jüdischer Fremdling, sondern ein waschechter „deutsch-nationaler" Antisemit, Ernst von Brüggen, „Das heutige Ruß land" schildert. In dieser im vorigen Jahre in Leipig herausgegebenen und neuerdings von dem bekannten Kasseler Antisemiten Do. Winterstein im Hamburger „Deutschen Blatt" warm empfohlenen Schrift sagt Ernst v. Brüggen über die nach Nikolaus Ehrhardt vor dem Einfluß des jüdischen Geistes zu schützenden Zustände in dem antisemitischen Eldorado u. a. folgendes: „Wie die Bewohner, so ist auch das Land meist trübselig: überall herrscht Unordnung und Schmutz. In den Straßen der größeren Städte treten die klaffenden Gegensätze zwischen den Volksklassen am grellsten hervor: hier fürstliche Pracht und Ueberstuß, dort entsetzliche Armut und Hunger, hier rücksichtslose Gewalt, dort sklavische Unterwürfigkeit; hier europäische Ueberkultur, dort rohes Asiatentum. —- Der Unterricht in der großrussischen Sprache füllt fast die ganze Schulzeit aus den niederen Anstalten aus. Der Erfolg ist, daß die Kinder keine Sprache ordentlich beherrschen, und daß sie sonst auch nicht viel lernen. Die besten Lehrer werden zu dieser Verrussungspolitik verwendet, um nicht zu sagen mißbraucht. Jeder russische Beamte trägt sein besonderes Dienstkleid, und Beamte gibt es in Rußland eine Unmenge. Der Staatssozialismus ist dort durchgesührt in einem Umfange wie sonst nirgends, nicht zum Vorteil der Untertanen, sondern des Staates. Der Spruch „Des Volkes Wohl das höchste Gesetz" gilt in Rußland nicht. Selbst das staatliche Monopol des Branntwein-Verkaufs, das großen Segen stiften könnte, führt zum Gegenteil. Auch hier gilt als Hauptzweck der möglichst umfangreiche Verkauf des Giftes. So werden allein aus diesem Wege jährlich über 1000 Millionen Mk. aus einem Volke herausgeholt, das zum großen Teil buchstäblich hungert. Die Folgen davon sind Unsauberkei;, Unsittlichkelt, Krankheiten und große Sterblichkeit. In schrecklichen, aber richtigen Farben schildern diese tiefe Verkommenheit, vor allem Tolstoi und Gorki. Von letzterem erinnere ich nur an das „Nachtasyl". — Sehr vorteilhaft stechen die nicht Griechisch-Katholischen ab, vor allem der deutsche Bauer im Süden und Südosten, spottweise „Karl Karlowitsch" genannt, beneidet und gehaßt. (Ganz wie die Juden!) Im Innern, namentlich im Süden, gährt es. Blutiger

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