Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 727 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Norresporwenzen. macht. Mau frage bei Einkäufen nicht nach Abstammung und Bekenntnis des Verkäufers, sondern nach der Qualität und Preiswürdigkeit. Man hule sich vor denen, die ihren Glauben als Reklame für teure oder minderwertige Ware benutzen! Kein Schacher und kern Wucher ist so nichtswürdig, als das Schachern und Wuchertreiben rmt der Religion. Die Bürger einer Stadt wie des ganzen Staates sind in unzähligen Beziehungen auf einander angewiesen; je friedlicher und einträchtiger sie mit einander leben, um so besser wird es bestellt sein um jeden einzelnen und um das ganze Vaterland. Deshalb fort mit allen Verdächtigungen und Verhetzungen,, fort mit dem Mißbrauch der Religion zu geschäftlichen Zwecken! (Unseren Vereinsrmtgliederrr stellen wir von unserem in Diesem Sinne gehaltenen Flug- LlaLLe eine beliebige Anzahl Exemplare unentgeltlich zur Verfügung^ Die Weihnachts-Beilage zur „Deutschen Hochwacht" (Organ der Herren Hans von Mosch, Professor Dr. Paul Förster und Rechtsanwalt Jüngst) enthält einen Aufruf an die „Deutsche Hochwachtgemet n b e", in dem u. a. gesagt wird: „Verflucht sei jedes Stück, und Unheil bringe es dem Hause, jedes Stück unter dem Christbaume, das von Juden gekauft ist!" — Es ist wohl nicht nötig, ein Wort über die „liebevolle" Gesinnung zu verlieren, die sich dabei kundgibt. Wie Bileams Fluch sich in Segen verwandelte, wird auch der Fluch dieser Führer des „Volksbundes" uns nur Segensreiches bringen, denn er wird jeden Christen, der seine Religion für eine solche der Nächstenliebe hält, mir Abscheu vor Denen erfüllen, die den höchsten Feiertag der Christenbeit durch solche Ausbrüche unmeuschlicheu Hasses entweihen! Bei den jüngsten Berliner StadLverOrdnetenwahlen war für den Ceutral-Verein die Wahl im zweiten Bezirke von besonderem Interesse. Daselbst hatte sich der letzte Vertreter des AnLisermtismus im Roten Hause, Fabrikant Pretzel, gegen den freisinnigen Hotelier Leis und den Sozialdemokraten Waldeck Manasse zu wehren und gelangte mit dem freisinnigen Kandidaten zur Stichwahl. Bei dieser am 15. Dezember stattfindendeu Stichwahl wird es hoffentlich gelingen, den letzten Mann vom Stöcker-Regiment von der Stadtverordneten- Versammlung der Reichshauptstadt sernzuhalten. Hierzu durch Abgabe der Summe für den Gegner des Antisemiten beantragen, ist Pflicht eines jeden Wahlberechtigten! Am gestrigen Tage fand hier eine Sitzung des engeren Ausschusses für die Gesamtorganisation der Israeliten Deutschlands statt, die von einigen dreißig Mitgliedern aus den