Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Neues aus Galizien
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 707 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Neues aus Galizien. 707 sachgemäß auszugestalten und gleichzeitig in Form von Wäsche, Verbandzeug , Medikamenten, Nahrungsmitteln etc. die vorhandenen Mittel besser auszunutzen, als dies in einigen wenigen Krankenhäusern geschehen könnte. Schließlich sollen Volksbibliotheken gegründet und ein Flugblatt abgefaßt werden, das „Aufklärung über die hygienische Seite der Sittlichkeitsfrage bis tief hinein in die entlegensten Dörfer trägt." Den größten Wert aber legen beide Berichterstatterinnen aus die Gründung von sogenannten Auswandererschulen. Sie sollen den Mädchen, die auswandern wollen, während einiger Monate die Anfangsgründe deutscher Bildung, vielleicht auch einige Kenntnis des Englischen und Französischen beibringen, ebenso einige Begriffe von Haushaltführung, Nähen etc. Nach so vollendeter Vorbildung sollen sie mit Rat und Tat bis zum Ort ihrer Bestimmungen geleitet, auch für sie alle nötigen Erkundigungen und Korrespondenzen erledigt werden. Der letzte Teil des Unternehmens scheint mir äußerst empfehlenswert, der erste viel zu weit gehend und in Ansehung anderer dringender Aufgaben zu kostspielig. Sehr bemerkenswert scheint mir der Vorschlag von Frl. Dr. Rabinowitsch, Handwerkerschulen zu gründen und sie zwecks Verköstigung an schon bestehende Haushaltsschulen anzugliedern, Handwerkerschulen indes auch für Mädchen, denen eine gewerbliche gründliche Ausbildung bitter not tut, und ebenso eine geeignete Ueberwachung, die sie vor Abwegen bewahrt. Nicht ebenso zustimmen kann man dem Vorschlag,' Bauernbanken zu gründen und durch Landankaus Rentengüter von etwa 20—25 Hektar zu schaffen und sie mit jüdischen Bauern zu besetzen. Diese Art der Besiedelung ist eines der schwierigsten kolonisatorischen Probleme, in das ein sechswöchiger Aufenthalt keinen genügenden, so weittragende Pläne rechtfertigenden Einblick gewähren kann. Jüdische Bauernwirtschaften bestehen bis jetzt dort noch nicht in der gedachten Größe. Es gibt eine Anzahl Wohl kaum selbstwirtschaftender jüdischer Großgrundbesitzer, denen der größte Teil der in jüdischem Besitz befindlichen 350 000 Hektare gehört und daneben, wie wir gesehen haben, einige hundert jüdischer Kleinbauern. Es ist unmöglich, im Rahmen einer Besprechung den reichen Inhalt der Berichte auch nur annähernd wiederzugeben. Auch möchten diese Zeilen nur veranlassen, daß recht viele sich aus eigener Kenntnisnahme von der Fülle des hier niedergelegtenLVissens und Empfindens überzeugen und mit und an ihr zu Freunden und Vorkämpfern ihrer verelendeten und bejammernswerten, aber im Kerne ihres Wesens sympathischen und jeder Unterstützung würdigen Glaubensgenossen werden. Henr. Fürth, Frankfurt a, M.