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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 692

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Was brachten uns die Landtagswahlen?
Date
1903-12-01
Page
692 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich. mz gefaselt hat, ist nicht zu stände gekommen. Dagegen Ziehen Zum Entsetzen der Leutscken Zionswächter sechs leibhaftige Juden in das neue Haus ein: Cassel, Aronsohn, Hirsch, Rosenow, Peltasohn, IVolff. Erwähnt sei, daß in Könitz in Folge eines Kompromisses ein Liberaler und ein Konservativer gewählt wurden. Gegenüber den Erfolgen, der reaktionären Parteien ist es ein schwacher Trost, daß die „reinen" Antisemiten wenig erzielt haben. Bisher zeugte nur eine hohe Säule von der antisemitischen Pracht, der Abg. Werner. Er, obwohl oder vielleicht weil ^gerichtlich als Lügner gebrandmarkt, ist von seinen Getreuen wiedergcwählt, und auch zum Ehren-Mitglied des deutschen Antisemitenbundes erhoben worden. Die „Staatsb.-Ztg." spricht hocheisreut von der „erheblichen" Majorität, die er als Abgeordneter erhielt. Dieselbe beläuft sich aus ganze 13 Stimmen (119:106). Außer diesem Vertreter der deutschen Reform-Partei ist in Kassel-Land noch der Amtsrichter Lattmann als Vertreter der deutsch-sozialen Partei mit 141 gegen 131 nationalliberale Stimmen gewählt worden. Die antisemitischen Abgeordneten haben sich also „um 100%" vermehrt, wie der nicht als Abgeordneter wiederkehrende Liebermann von Sonuenberg mit Genugtuung im „Deutschen Blatt" hervorbebt. Stöcker, „der Vater der Berliner Bewegung" wird das neue Haus nicht zieren. Ebenw ist diese ganze „Bewegung" in Berlin zu einem Stillstand gekommen. Die gut antisemitischen Konservativen von Wenckstern, von Loebell und Stockhausen haben es im ersten Wahlkreis nur aus 127 Stimmen gegen 802 Liberale gebracht. In den übtigen Berliner Wahlkreisen haben die Antisemiten beziehungsweise Konservativen keine oder nur verschwindend wenige Stimmen erhalten. Angesichts der konservativ-reaktionären Uebermacht werden die Gegner der Klassenherrschaft doppelt aus dem Posten sein müssen, um das kostbare Gut der nur auf dem Papier der Verfassung stehenden Gleichberechtigung mit aller Kraft zu verteidigen. Die immer drohender und übermütiger ihr Haupt erhebende Reaktion möge alle guten Kräfte im Bürgertum aufrütteln und mahnen, alles Trennende zu vergessen und nur das eine große Ziel im Auge zu behalten: Kampf gegen die finsteren Mächte der Reaktion, die die kostbarsten Güter nicht nur des Judentums, sondern des gesamten deutschen Vaterlandes zu zerstören droht! V.

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