Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Dr. Robert Kaelter [Rezension]
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 689 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 689 Durch das erwähnte Statut von 1776 versuchte die gefährdete Gemeinde Ordnung in die Gemeindeverhältnisse zu bringen, und in der Tat folgen nun Jahre stiller stetiger Entwicklung. Interessant ist die Anteilnahme der Gemeinde an der Landestrauer um Friedrich den Großen, bedeutsam die Förderung des Synagogenumbaus durch Friedrich Wilhelm II. und III.; überaus charakteristisch ist die Anteilnahme des letzteren an der Beschneidungsfeierlichkeit der beiden Söhne des Potsdamer Hofagenten Hertzbach. Die durch die Freiheitskriege entstandene Zwangslage der Gemeinde erforderte 1818 eine neue Gemeindeverfaffung, welche bis 1856 in Kraft blieb. Von der freudigen Anteilnahme der Potsdamer Juden an dem politischen Aufschwung Deutschlands — 13 Potsdamer Juden machten den Feldzug 1870/71 mit, von denen einer mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, heimkehrte — und von der inneren Reugeburt der Gemeinde, welche ihren wackeren Seelsorgern Di:. Apolant (1851 — 1857) und Dr. Tobias Cohn (1857—1896) zu verdanken ist, erzählen die weiteren Blätter des Buches. Eingehender wird dann auf die aus der Potsdamer Gemeinde hervorgegangenen Künstler und Gelehrten hingewiesen, auf den 1754 geborenen berühmten Medailleur und Münzmeister Abraham Abrahamson, auf den Erfinder der Galvanoplastik Moritz (Moses) Hermann Jacobi, aus den bedeutendsten Mathematiker seit Lagrange Carl Gustav Jacob (Simon) Jacobi, auf den hochbetagten feinsinnigen Lyriker Geh. Sanitätsrat Dr. Bernhard Zielenziger, auf die Professoren Julius Hirschberg, Martin Bernhardt und Max Wolff. Mit der Schilderung der Einweihungsfeierlichkeiten des herrlichen neuen Gotteshauses und dem Abdrucke der gehaltvollen Weiherede Dr. Kaelters schließt das auch äußerlich schön ausgestattete vortreffliche Buch. Die Potsdamer Gemeinde hat — oft unter besonders schweren Opfern — getreulich alle ihre Pflichten gegen ihren Glauben und ihr deutsches Vaterland erfüllt. Ihre Geschichte ist nur ein Zeugnis mehr für die selbstlose Treue und den. heroischen Idealismus des deutschen Judentums in der Neuzeit. Prediger Dr. Rieger-Hamburg.