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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 688

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Dr. Robert Kaelter [Rezension]
Date
1903-11-01
Page
688 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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688 Im deutschen Reich. schlägigen Materials in den Archiven der königlichen Regierung und des Potsdamer Magistrats vorerst zu ergänzen und diesen archivalischen Stoff mit Hilfe des spärlichen gedruckt vorliegenden Materials zu einem historisch treuen Gesamtbilde zu verarbeiten. Um so verdienstvoller ist das Geleistete. In geschickter anziehender Darstellung bietet der Versaffer die Gemeindegeschichte von der Niederlassung der ersten Juden in Potsdam (1690) bis zur Gegenwart. Ihr Geschäftsbetrieb kann nicht ganz gering gewesen fern f da bereits 1693 Judas Gerson und 1694 Jakob Moses aus Potsdam unter den Leipziger Meßgästen genannt werden (Monatsschr. 45, S. 497). Bedeutung gewinnt die Gemeinde aber erst iw Jahre 1730, in welchem der Prager Hirsch David die in der Geschichte der preußischen Industrie hochbedeutsame Samt- und Seidenfabrik in Potsdam begründete. Diesem ersten Unternehmen folgten bald weitere Fabrikgründungen durch Juden, so 1746 die Broderiesabrik, 1748 und 1749 zwei Seidendamast- und Taffetfabriken, 1755 die Baumwollspinnerei in Nowawes bei Potsdam, 1758 die Stofftapetenfabrik. Bereits 1743 konnte die junge Gemeinde, die bisher ihre Toten in Berlin begraben ließ, an die Erwerbung eines eigenen Friedhofes gehen. Wahrscheinlich im Jahre 1760 war dann die erstarkende Gemeinde imstande, ihr erstes geistliches Oberhaupt, den Rabbiner Jechiel Michel Zu wählen. Sein Bild nach einer Meisterradierung Georg Friedrich Schmidts ist eine der schönsten Zierden des vorliegenden Werkes. Es verdankt einem merkwürdigen Umstande sein Entstehen. Es ist eine Widmung Schmidts an den geistvollen Herausgeber der I.6t.tr68 juives, den Marquis d'Argens, und trägt deshalb die Unterschrift: Hirsch Michel präsentirt an Jsaac Onis durch Aaron Monceca. Isaak Onis und Aaron Monceca sind aber die Namen der beiden fingierten Korrespondenten der I^ettre8 juives. Der Nachfolger Michels im Rabbinate wurde 1777 der gelehrte Buchhalter der Hirsch David'schen Samtfabrik, David Koppel Reich. Ec ist wohl der David, der bereits am 15. Dezember 1776 in Berlin das Gemeindestatut von 1776 durch seine Unterschrift bestätigte. Inzwischen hatte die strebsame Gemeinde am 19. Dezember 1767 ihr erstes unter beispiellosen Opfern erbautes Bethaus in Gegenwart des Prinzen und der Prinzessin von Preußen, der Prinzen von Braunschweig und anderer Standespersonen einweihen dürfen. Die kurz darauf (1769) den Juden auferlegte zwangsweise Abnahme von Porzellan aus der Berliner Manufaktur brachte aber die durch den Synagogenbau ohnehin verschuldete Gemeinde fast an dcn Bettelstab.

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