Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 651 (sequence 1)
- Language
- German
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Umschau. 651 wird schon manchem Nichtjuden ebenso gegangen sein wie Herrn Pastor H. Kötschke, der auf die Frage: „Wie denken Sie über die Juden?" keine rechte Antwort zu finden wußte und deshalb, sicher ohne böse Absicht die gewünschte Aufklärung bei den Antisemiten suchte, weil diese sich anheischig machen, für das Problem eine Lösung gefunden zu haben. Die Wahrnehmungen, welche der nationalfoziale Herr Pastor Kötschke darauf in der Zeit vom 17.—19. Oktober auf dem Berliner Parteitage der deutsch-sozialen Reformparteitage machte, hat derselbe in der Zeitschrift „Tag" veröffentlicht. Er sagt in dem Artikel „Vom antisemitischen Parteitag": „Zeit genug hat der Antisemitismus gehabt, um wenigstens mit klaren Worten feine Ziele feststellen zu können. Aber fein Kampf gegen das Judentum ich durchaus unfruchtbar geblieben. Er ist über das Gebiet des gesellschaftlichen Boykotts gegen das Judentum nicht viel hinausgekommen. Er hat in seinem Programm Sätze gegen das Judentum stehen: Stellung unter das Fremdenrecht, Ausschluß aus allen einflußreichen Aemtern, Beraubung des Wahlrechts, Verbot jüdischer Einwanderung. Aber wenn auch im Anfang der antisemitischen Bewegung viele ihrer Anhänger an diese Forderungen mit Inbrunst geglaubt haben mögen, wenn sie der ehrlichen Ueberzeugung gewesen sind, man könne leichthin den Schritt der Juden-Emanzipation Zurücktun, so hat doch eine jahrzehntelange politische Tätigkeit die Naivetät allmählich ertötet. Heute dürften die einsichtigen Kreise sich nicht verhehlen, daß man in der eigentlichen Judenfrage nicht vom Flecke kommt. Weil der Kampf gegen das Judentum keine parteibildende Kraft hat, hat der Antisemitismus nur Augenblickserfolgs Zu verzeichnen, die das Verdienst einzelner geschickter Agitatoren sind. Die Parteigeschichte ist voll von Trennungen, Vereinigungen und wieder Trennungen, unö fast auf jedem Parteitage irgendeiner Gruppe spielte die Namensgebung eine