Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Wien
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 599 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 599 gestoßen unbf ganz durchnäßt, mit Stöcken geschlagen, wobei man ihm die Zähne einschlug. Der bedauernswerte Junge, der kaum aufkommen dürfte, befindet sich gegenwärtig ebenfalls im Czernowitzer Krankenhause. Die Zahl der verwundeten Juden beträgt mehr als vierzig. Aus dem Marktplatze wurde alles, was vorhanden war, geraubt, sogar Wagen und Pferde. Die Bauern haben alle geraubten Sachen an einen Ort zusammengetragen und dort unter die Teilnehmer der Plünderung verteilt." — Dem „Czernowitzer TagblaLL" ist aus der russischen Gouvernements-Hauptstadt Mohilew die Nachricht zugegangen, daß es dort am Versöhnungstage zu einem förmlichen Straßenkampf gekommen sei, bei dem dreihundert Juden und hundert Bauern getötet worden sein sollen. Diese Nachricht ist aber bis jetzt noch nicht bestätigt worden und scheint unbegründet zu sein. Petersburg, 2. Oktober. Der russische „Regierungsboie" brachte wiederholt Berichte aus Hömel im Gouvernement Mohilew, in welchen die jüdische Bevölkerung dieses Ortes beschuldigt wurde, durch ihr herausforderndes, feindseliges Gebaren die christliche Bevölkerung zu den dort vorgekommenen Ausschreitungen gereizt zu haben. Die Homeler Exzesse haben zahlreiche jüdisches Einwohner Philadelphias zu einer Eingabe an das amerikanische Staatsdepartement veranlaßt, welches um Schutz für ihre in Homel lebenden Angehörigen ersucht wurde. Das Staatsdepartement beauftragte den amerikanischen Geschäftsträger in -Petersburg, Erkundigungen einzuziehen, ob in Homel amerikanische Interessen in Mitleidenschaft gezogen seien. Die Ursache und der Verlaus der blutigen Ausschreitungen in Homel werden jetzt übrigens auch von englischer Seite anders dargestellt, als dies durch die russischen Behörden bisher' geschah. Ein Korrespondent der „Times", der sich während der Unruhen in Homel dort aufhielt, hat über die Vorgänge einen Bericht abgestattet. Danach begann der Tumult damit, daß ein jüdischer Fischhändler und ein Muschik auf.,, dem Fischmarkt in Streit gerieten. Daraus entspann sich eine Prügelei zwischen Juden und Muschiks. Die Polizei erschien und nahm ein Dutzend Arretierungen vor.. Bei dem Handgemenge waren verschiedene Verwundungen vorgekommen und einer der Muschiks starb am folgenden Tage. Später zogen antisemitische Agitatoren durch die Stadt und ermahnten, den Tod.der Muschicks nichtungesühnt zu lassen, während die jüdischen Gemeindevorsteher ihr möglichstes taten, um die Juden ruhig zu halten. Sämtliche Kneipen wurden geschlossen. Die meisten Juden hielten sich in den Häusern, und die