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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 598

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Wien
Date
1903-10-01
Page
598 (sequence 2)
Language
German
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598 Im deutschen Reich. bezüglichen Klagen der Judenpresse zu halten hat; sie jubelt dem Zaren, als dem Haupt einer antisemitischen Regierung, eben deshalb um so lebhafter zu und bedauert nur, daß der Zar nur einen halben Tag in den Mauern unserer Stadt weilen kann." Von der Begegnung der beiden Kaiser schreibt aber dasselbe Blatt: „Die Herzlichkeit, mit der Kaiser Wilhelm unfern Monarchen begrüßte, vermißt man; die Szene macht eher den Eindruck des Formenhaften, Konventionellen und — Schüchternen. Hiernach wendeten sie sich zu den Erzherzogen; der Zar gab jedem.derselben ziemlich zeremoniell die Hand, was etwas von der Herzlichkeit abstach, mit der Kaiser Wilhelm die kaiserlichen Prinzen begrüßt hatte« Damals ertönte in dem ganzen Kreise sofort lustiges Lachen und flogen die Bemerkungen nur so hin und her; diesmal wurde fast kein Wort gewechselt. Bürgermeister Dr. Lueger erhielt einen kurzen Händedruck." — Das antisemitische Witzblatt „Der Scherer", welcher fünf Jahre hindurch im Sinne Schönerers nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen Rom ausreizte, hat am 15. September in Innsbruck sein Erscheinen eingestellt. Die Erhaltung des „Scherer" unter Führung einer Zwangsverwaltung scheiterte an dem Widerstande einer Wiener Großfirma und eines Innsbrucker Kapitalisten, die ihre Forderungen eintrieben und das Ende des „Scherers" herbeiführtem Der Verein „Deutsche Presse" in Wien will nun unter dem Namen „Der Scherer" ein neues Blatt in Linz i.V. erscheinen lassen. Hoffentlich läßt es die Juden ungeschoren!—lieber antisemitische Ausschreitungen, welche am 11. v. M. in Zablotow, zwischen Kolomea und Sniatyn stattgefunden haben, berichten Lemberger Blätter: „Ein Bauer, dessen Frau in dem Geschäfte des Saul Salomon Dulberg ein Stück Leder entwendet und hernach sich geflüchtet hatte, lief, als von ihm Bezahlung verlangt wurde, auf die Straße und schrie, die Juden hätten seine Frau erschlagen. Daraufhin strömten die ruthenischen Bauern zusammen und zertrümmerten in den Judenhäusern die Fensterscheiben, die Türen und die Hausgerätschaften; sie plünderten in den jüdischen Kaufläden und mißhandelten wehrlose jüdische Einwohner. Der Berichterstatter .des genannten Blattes hat als Augenzeuge beobachtet, daß dem sechzigjährigen Kaufmann Dulberg, welchen die bäuerlichen Unholde auf die Straße geschleppt hatten, unter unablässigen Schlägen in grausamer Weise ein Auge ausgestoßen-wurde. Lebensgefährlich verletzt mußte er ins Spital nach Czernowitz gebracht werden. Dem Handelsmann Mayer Burg, dessen ganze Wohnungseinrichtung man zerstörte, wurden mit einer eisernen Zange Stücke Fleisch aus seinem Körper herausgerissen. Ein jüdischer Knabe wurde in den Mühlbach

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