Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 583 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 583 290 Juden und nur 281 Christen, das Französische Gymnasium 113 Juden und 128 Christen, das Friedrichs-Gymnasium 202 Juden und 315 Christen, das Sophien-Gymnasium 251 Juden und 331 Christen und das Köllnijche Gymnasium 160 Juden und 218 Christen zählt. Von den höheren Mädchenschulen hat die CharloLLenschule neben 357 Jüdinnen nur 359 Christinnen: an der Sophienschule sind die entsprechenden Zahlen 324 und 372, an der Margaretenschule 292 und 349! Das findet die Antisemitenpresie sehr bedenklich und die „Deutsche Tageszeitung" sowie die „Staatsbürger-Zeitung" als hinreichend zur Begründung ihrer Forderung, daß besondere höhere Lehranstalten für die jüdische Bevölkerung errichtet werden müssen. Demgegenüber verweist die „Allg. Ztg. des Judentums" darauf, daß diese Blätter, um ihre Absonderungspläne zu fördern, aus dem Schulkalender willkürlich jene Lehranstalten herausgegrisfen haben, in denen, weil sich in jenen Stadtvierteln die jüdische Bevölkerung zusammendrängt, der Prozentsatz der jüdischen Schüler ein beträchtlicher sei. Auf die weiter auf Grund der Kalenderzahlen aufgebauten antisemitischen Behauptungen, daß der jüdische Schüler, wenn er auch sonst Vorzüge habe, anders denke und fühle wie der christliche, z. B. der Literatur und Geschichte anders gegenüberstehe, daß ferner die Arbeitsfreudigkeit der Lehrer darunter leide, wenn in den überfüllten Klassen mehr als die Hälfte, ja in nicht wenigen Fällen mehr als zwei Drittel ihrer Schüler jüdischer Abstammung sind, bemerkt die „Allg. Ztg. des Judentums", daß die Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe der jüdischen Schüler und ihr hervorragender Fleiß fast unbestritten seien. „Deshalb seufzt kein Lehrer, mag er auch sonst im allgemeinen noch so antisemitisch gesinnt sein, über den zu großen Prozentsatz jüdischer Schüler in seiner Klasse, freut sich im Gegenteil hierüber, da ihm das Arbeiten und die Erreichung des Pensums wesentlich erleichtert wird. Leistet der "betreffende jüdische Schüler etwas — natürlich gibt es auch träge und unbefähigte jüdische Schüler — so stehen die Leistungen in Deutsch und Geschichte durchaus nicht hinter denen in anderen Fächern zurück, wie jeder Gymnastaldirektor, der an seiner Anstalt einen erheblichen Prozentsatz jüdischer Schüler hat, bestätigen wird." Der Verein „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in Weißensee bei Berlin" hat seitens der zuständigen Minister die Anerkennung als milde Stiftung erhalten. Dem Vereine steht hiernach im gesetzlichen Umfang Befreiung von der preußischen Stempelsteuer, der Erbschaftssteuer und den Gerichtsgebühren zu. Das' hat neben dem moralischen auch einen materiellen Wert. Nunmehr können