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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 572

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Christentum und Antisemitismus
Date
1903-10-01
Page
572 (sequence 6)
Language
German
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572 Im deutschen Reich. bezwingen; daß ich im aufbrausenden Zorne auch, ohne es zu beabsichtigen oder mir dessen bewußt zu sein, andere gekränkt und beleidigt habe; stets aber habe ich, zur Erkenntnis meiner Uebereilung und meines Unrechtes gekommen, es als Ehrenpflicht betrachtet, den Gekränkten um Entschuldigung und um Verzeihung zu bitten! Was aber tun Sie? Nichtachtend und stolz übergehen Sie, ohne ein Wort der Entschuldigung, Ihr beleidigendes Auftreten in meinem Hause, und überheben sich sogar so weit, mir, dem Beleidigten für Ihnen angeblich zugefügte Kränkungen Verzeihung anzubieten, statt mir zu danken, daß ich Mäßigung bewahrte und Ihnen nicht sofort in gebührender Weise entgegen trat! Nicht eine Stunde länger hätten Sie am 7. Juli in meinem Haufe weilen dürfen, wenn mir das Gastrecht, daß Sie mißbrauchten, nicht heilig gewesen wäre. Tie Phrase am Schluffe Ihres Briefes klingt sehr salbungsvoll, mich aber täuscht sie nicht. Ich bestreite Ihnen auch, daß ich jemals Veranlassung gehabt hätte, Ihre Verzeihung in Anspruch zu nehmen und hoffe, wenn ich trotz meiner Sünden und Fehler in den Himmel komme, dort wenigstens keine Antisemiten anzutresfen. Auch diesen Brief behalte ich mir vor, sobald ich es für zweckmäßig halte, zu veröffentlichen, und werde dann selbstverständlich auch von Ihrer Erlaubnis Gebrauch machen, den Wortlaut Ihres Briefes vom 20. Juli bekannt zu geben. Ich hoffe und wünsche aufrichtig zu solcher Veröffentlichung nicht veranlaßt zu werden, hoffe und wünsche aber auch nochmals, daß Sie sich bald von Ihrer Judeufeindschaft befreien, und — um mit Ihren eigenen Worten zu schließen — die Wege verlassen, die m Finsternis und Haß auslaufen. Mit Achtung! R. L.

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