Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 529 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316710--11446-2332086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
529 -♦ blühenden Fluren Deutschlands hat einst ein durch religiöse (MM Fanatiker und gewissenloseRänkeschmiede entfachter dreißigjähriger Krieg in Wüsteneien verwandelt. Als darauf der Westfälische Friede die blutige Fehde beendete, waren ganze Gegenden entvölkert, die Sitten eines Kulturvolkes in fast unglaublicher Weise verroht, war der Wohlstand der meisten Länder vernichtet und das einst so starke Reich durch eine namenlose Zersplitterung um seine politische Machtstellung gebracht. Aus dieser Erniedrigung hat sich nach weiteren langen, schweren Prüfungen das deutsche Reich mühsam emporgerafft zur Einheit, Macht und Größe. Diese Gesundung dankt es in der Hauptsache der Hochstnnigkeit der Hohenzollern-Dynastie, deren hervorragendste Fürsten durch Verbreitung geistiger Aufklärung, durch vorurteilslose Aufnahme von Zahlreichen, wegen ihres religiösen Bekenntnisses anderwärts heimatlos Gewordenen und durch Wertschätzung jeder bürgerlichen Tüchtigkeit den Grund zur Größe Preußens legten und damit die Bahn zur Wiederaufrichtung des deutschen Kaiserreiches ebneten. Aber selbst nachdem das Kaisertum aus der märchenhaften Kyffhäuser-Höhle wieder jugendlich herausgetreten war, umschwirrten es immer noch die schwarzen Raben, die so lange den Felsen unheilkündend umkreist hatten. Wieder fanden sich in dem Lande, von dem Friedrich der Große gesagt, „daß in ihm jeder nach feiner Faeon selig werden könne" religiöse Dunkelmänner, welche die von dem getauften Juden Schlesinger-Stahl erfundene Phrase vonch „christlichen Staat" benutzten, um die traditionelle Toleranz der Hohenzollern zum Nachteil für eine nichtchristliche Bevölkerungsminderheit unwirksam zu machen. Die Nachkommen jener vornehmen Familien, deren Uebermut die Markgrafen Brandenburgs einst nur mit der tatkräftigen Hilfe treuer Bürger dämpfen konnten, stellten sich als die eigentlichen Stützen von Thron und Altar hin. Sie befehdeten die Industrie, von deren Emporblühen sie den vollständigen Verlust ihrer veralteten Vorrechte befürchten und als bfe Hauptrräger der Industrie die Juden, welche seit Jahrhunderten durch gesetzliche Beschränkungen fast ausschließlich auf den Handel angewiesen waren. Willige Kuappendienste leisteten ihnen und den religiösen Fanatikern