Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Ein deutscher Philosoph als Philosemit
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 524 (sequence 12)
- Language
- German
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524 Fm deutschen Reich. dem ständischen Festmahle, welches am Sonnabend im Hotel de Pologne staLLfand, bracht' ich unter andern folgenden Toast aus: Als Gott sprach sein großes Werde, Wurden Bürger dieser Erde Adam's Kinder allzumal, Dölkerstämme sonder Zahl. Allen gab er gleiches Recht; Keiner sollte werden Knecht. „Fürchte Gott und Niemand scheue! Wahre stets dem Bruder Treue!" So spricht alt- und neuer Bund, So Vernunft, ist sie gesund. Darum sterbe ab die Feindschaft! Darum blühe auf die Freundschaft! Fort mit allem Bruderzwist! Hoch soll leben Jud' und Christ! Alle tranken mit zu guter Vorbedeutung. Ergebenst Krug." Daß Krug bei solcher Gelegenheit Propaganda für die Sache der Juden zu machen suchte, zeigte am besten, wie ernst er's damit meinte. Von dem Empfänger dieser Briefe Krug's, dem vr. Bernhard L. Beer, sei noch mitgeteilt, daß sich dieser Gelehrte der größten Anerkennung in Dresden zu einer Zeit erfreute, als das künstlerische und literarische Leben der sächsischen Residenzstadt besonders rege war. Carl Gutzkow und Berthold Auerbach äußerten sich über Beer in der verehrungsvollsten Weise. Gutzkow widmete ihm in seinen „Unterhaltungen am häuslichen Herd" einen Nachruß in welchem es unter anderm heißt: „Beer gehörte der orthodoxen Richtung an, ohne sich gegen die Rechte der Philosophie zu verschließen. Die christliche Theologie war ihm ein Gegenstand steter Anregung; selbst manche christliche Theologen werden Strauß, „Leben Jesu" nicht so gründlich studiert haben, wie dieser unermüdlich seinem Beruf hingegebene Gelehrte, der mit Lessings Nathan verglichen worden ist, passender ein Beweis für die Wahrheit des Klosterbruders im „Nathan" genannt werden könnte. An dem Verstorbenen waren die besten Seiten des Judentums vertreten. Seinen unermüdlichen Hang zum Wohltun unterstützte glücklicherweise eine sorglose Lebenslage. Bei keinem gemeinsamen Zweck, auch auf deutsch-nationalem Gebiete, fehlte seine Gabe und sie wurde von ihm wie mit einem Segen erteilt; sein Auge